Die Leiche des philippinischen Exilschriftstellers
Crispin Salvador wird eines Tages aus dem New Yorker Hudson River gefischt. War
es Mord oder Selbstmord? Dieser Vorfall und die Suche nach einem verschwundenen
Manuskript setzen eine atemberaubende Spurenjagd in Gang. Das ist die
Ausgangssituation im Debütroman Die
Erleuchteten des philippinischen Autors Miguel Syjuco, der bei Klett-Cotta
erschienen ist.
Crispin Salvador ist tot. Das Manuskript des großen
Enthüllungsromans, in dem er die historischen Verbrechen der herrschenden
philippinischen Familien schildern wollte, ist verschwunden. Miguel, Salvadors
strebsamer Schüler und der einzig verbliebene Freund, macht sich daran, das
Leben seines Mentors aus dessen Romanen, Interviews und Artikeln zu
rekonstruieren. Fragmente werden zu Mustern und Geschichten, das Ganze wächst
sich zu einem wahren Epos aus. Als Miguel zu Recherchezwecken in sein
Heimatland zurückkehrt, wird ihm deutlich, dass er auch auf den Spuren seiner
eigenen Geschichte wandelt.
Mit der Bezeichnung Die Erleuchteten werden die
wohlhabenden Familien der Philippinen charakterisiert, die im 19. Jahrhundert
zur Ausbildung nach Europa gingen und die Werte der europäischen Kulturen in
die Heimat mitbrachten und als Maßstab zugrunde legten. Damit macht der Autor
bereits deutlich, dass sein Buch auf einen bestimmten Teil der philippinischen
Gesellschaft anspielt. Im Buch bringt er denn auch die Vergangenheit der
letzten 180 Jahre in den Philippinen mit ein und setzt sich mit seiner eigenen
Rolle als Migrant auseinander.
Miguel Syjuco hat mit seinem Buch ein spannendes
Experiment begonnen. In gleich drei Erzählsträngen arbeitet er sich vor. Da ist
einerseits der Schriftsteller Salvador, dann der Autor selbst und schließlich
die Metropole Manila auf dem Weg in die Globalisierung. Syjuco will zu dem Kern
durchdringen, was das Lokale in einer globalisierten Literatur noch darstellt, welchen
Stellenwert kann eine postkoloniale Literatur einnehmen. Wie sieht das
Spannungsfeld aus zwischen einer immer selbstverständlicher umgreifenden und
notwendigen Multikulturellen Literatur
und den Versuchen einer gleichzeitigen nationalen Abschottung davor. Die Erleuchteten erzählt fantasievoll
und mit literarischem Witz von einer aus den Fugen geratenen postkolonialen
Welt.
Miguel Syjuco wurde 1976 in Manila geboren und
studierte unter anderem in Columbia und Adelaide. Neben journalistischen Tätigkeiten
für Zeitungen wie den New Yorker oder Esquire schrieb er Gedichte und
Kurzgeschichten. Die Erleuchteten
gewann 2008 den Asia Booker Prize.
Die Erleuchteten von Miguel Syjuco ist bei Klett-Cotta erschienen.
(JK 12/11)

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