Titus Müller: Tanz unter Sternen (Blessing)


Titus Müller erzählt in seinem neuen Roman Tanz unter Sternen, der bei Blessing erschienen ist,  mitreißend einen der spektakulärsten Stoffe des 20. Jahrhunderts.

Für Nele Stern wird ein Lebenstraum wahr: Als Barfußtänzerin feiert sie ihren ersten Soloauftritt im renommiertesten Varieté ihrer Zeit, dem Berliner Wintergarten. Doch sie fällt beim Publikum als zu prüde durch. Da sie auch in Paris keine Auftrittsmöglichkeiten findet, beschließt sie, nach Amerika auszuwandern: Das Geld reicht gerade noch für eine Fahrt in der 3. Klasse der Titanic. Als sie sich an Bord des Luxusliners zu einem Diebstahl hinreißen lässt, lernt sie Matheus kennen, einen ebenso liebenswürdigen wie hypochondrischen Pastor aus Berlin. Er reist mit Frau und Kind, durchlebt aber offensichtlich gerade eine Ehekrise. Ungeniert flirtet seine Frau, die aus gutem Hause kommt und deren Vater der Hofbankier des deutschen Kaisers ist, mit einem jungen Engländer, der sich höchst verdächtig benimmt. Tatsächlich ist er ein Spion der britischen Krone, und er hat sich keineswegs zufällig auf die Frau des Pastors kapriziert, sondern will über sie an geheime Dokumente des Hofbankiers herankommen. Der Zusammenstoß der Titanic mit einem Eisberg stürzt die Reisenden in einen Mahlstrom aus Wasser und Eis – und setzt Liebe und Freundschaft einer weiteren Zerreißprobe aus.

Titus Müller hat bisher historische Romane verfasst und wagt sich mit seinem neuen Buch erstmalig ins 20. Jahrhundert vor. Dabei gelingt es ihm, nicht noch einen weiteren Titanic-Roman zu schreiben, sondern in der Kulisse der Titanic das Zusammenspiel von Menschen in Extremsituationen vorzuführen. Hierbei legt er besonderen Augenmerk, die Vorkriegsstimmung Europas auf diesem engen Raum aufleben zu lassen. Diese bisher kaum mit der Titanic in Verbindung gebrachte emotionale Aufgewühltheit jener Zeit nimmt in seinem Roman viel Platz ein und gibt dem Stoff gänzlich neue Aspekte. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Passagiere und einige ausgewählte Charaktere. Es gelingt Titus Müller den Personen in seinem Roman allesamt Leben einzuhauchen, so dass man als Leser schließlich gemeinsam dem Schicksal entgegenfiebert. Beeindruckend beschreibt er dann die Wandlung der Charaktere im Verlauf der Katastrophe.

Titus Müller hat mit Tanz unter Sternen einen brillant recherchierten und fesselnd erzählten Roman geschrieben, der ein neues Licht auf die Bedeutung der Titanic in der Zeit europäischer Aufrüstung wirft und einfühlsam Menschen am Scheideweg ihres Lebens schildert.

Titus Müller, geboren 1977 in Leipzig, studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik. 1998 begründete er die Literaturzeitschrift Federwelt. 2002 war er Mitbegründer des Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis. Im gleichen Jahr veröffentlichte er, 24 Jahre jung, seinen ersten Roman Der Kalligraph des Bischofs. Es folgten sechs weitere historische Romane. Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis- Preis und den Sir Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

Tanz unter Sternen von Titus Müller ist bei Blessing erschienen.
(JK 12/11)

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