Bodo Kirchhoff am Mittwoch, 24. Oktober, bei Heymann Eppendorf


Buchhandlung Heymann
Mittwoch, 24.10.2012  20.30 Uhr
Eppendorfer Landstraße 77, 20249 Hamburg
Eintritt: 12 Euro.

Bodo Kirchhoff stellt seinen Roman Die Liebe in groben Zügen vor, der bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist, in der Buchhandlung Heymann vor. Harald Butz moderiert den Abend.

Er ist einer der wortmächtigsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein Werk umkreist „das Erotische in all seinen Schattierungen und Abschweifungen“. Es ist „Kirchhoffs große Kunst“, so der Schriftsteller Markus Orths, „»Sexualität an Sprache, Gewalt und Tod“ zu koppeln. Mit seinem neuen Roman legt Kirchhoff das eindrucksvolle Portrait einer Ehe vor. Der Autor erzählt von Vila und Renz, seit Jahren ein Paar, beruflich erfolgreich und von außen betrachtet Glückskinder des Lebens – aber mit einem unstillbaren Verlangen, das alles, was auf Dauer angelegt war, in Frage zu stellen droht.

Vila und Renz, beide fürs Fernsehen tätig, sind ein Paar im Takt der Zeit mit erwachsener Tochter, Wohnung in Frankfurt und Sommerhaus in Italien alles so weit gut, wäre da nicht die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam. Noch aber sind Vila und Renz nicht alt, auch wenn sie erfahren, dass sie Großeltern werden. Sie stehen voll im Leben, nach außen erfolgreich und nach innen ein Paar, das viel voneinander weiß, aber nicht zu viel. Ein ausbalancierter Zustand; bis zu dem Augenblick, in dem Vila mit ungeahnter Intensität einen anderen zu lieben beginnt. Bodo Kirchhoff erzählt in seinem neuen großen Lebensroman von einer langen Ehe als ewiger Glückssuche, von frühem Missbrauch als späterer Weltverengung und einem lebenslänglichen, nur im Stillen erfüllten Verlangen. Im Zentrum aber steht die Liebe zwischen Vila, einer Frau in festen Verhältnissen, und dem Einzelgänger Bühl, Biograph eines Paars aus einer vergangenen, gottesfürchtigen Epoche. Nach seinen beiden erfolgreichen, weltumspannenden Romanen Infanta (1990) und Parlando (2001) erzählt Bodo Kirchhoff von drei welterschließenden Liebesseschichten und einer weltverengenden enttäuschten Jugendfreundschaft: Die Liebe in groben Zügen ist ein großartiges, souverän und stilsicher erzähltes Panorama einer Ehe als Lebensprojekt in einer Zeit, die den Moment verherrlicht. Und wenn es einen Höhepunkt in der Ehe gibt, erkennt Vila am Ende, dann besteht er in deren Dauer.

Bekannt geworden ist der 1952 in Hamburg geborene Schriftsteller Bodo Kirchoff 1980 mit dem Sammelband Body Building. Schon mit diesem Buch hat Kirchhoff ein Thema aufgeworfen, das sich durch all seine Romane und Erzählungen zieht: die Projektionen des (vornehmlich männlichen) Selbst. Während die literarischen Moden der 70er und beginnenden 80er Jahre von Versuchen geprägt waren, Empfindungen Ausdruck zu geben, hat Kirchhoff einen kalten Blick auf Körperbilder und ihre daraus resultierenden Identitäten geworfen. Die Illusionen der Liebe, der gelingenden Kommunikation und Gemeinschaft in einer hedonistischen Welt sind sein Thema, auch in seinem neuen Roman Die Liebe in groben Zügen. Der formal großartig durchkomponierte Roman hat die Kritiker herausgefordert. Während die Süddeutsche Zeitung das Buch als Kirchhoffs „bislang wichtigstes Werk“ feiert, beurteilt Ulrich Greiner von der Zeit, den Stil als zwar „kunstvoll, wenngleich oftmals gekünstelt“.


Die Liebe in groben Zügen von Bodo Kirchhoff ist bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen.
(JK 10/12)

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