Literaturhaus
Mittwoch,
14.11.2012
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
7 – 12 Euro.
A.
L. Kennedy stellt ihren neuen Roman Das
blaue Buch vor, das bei Hanser erschienen ist. Ingo Herzke liest den
deutschen Text, Julika Griem moderiert.
Fünf
Jahre haben sich ihre Anhänger in Geduld üben müssen, fünf lange, dürre Jahre
ohne einen neuen Roman von A. L. Kennedy. Doch nun sind die Seesäcke gepackt,
und es geht auf große Fahrt mit der famosen schottischen Autorin, 1965 in
Dundee geboren, Professorin, Comedian und einer der brillanten Köpfe der
Gegenwart. Es ist da, außen kühles blaues Leinen, innen Tumulte, Grenzübertritte,
Verletzungen: Das blaue Buch. Es
spielt auf einem Kreuzfahrtschiff, auf der Überfahrt von England nach New York.
Doch dieser Roman lässt keine Sekunde Mitternachtssuppenromantik aufkommen. Er
ist auch nicht so sehr Michael Ondaatje (Katzentisch),
schon eher David Foster Wallace (Schrecklich
amüsant – aber in Zukunft ohne mich), um aktuelle Kreuzfahrerliteratur zu
zitieren. Eher aber doch, wie die FAZ schreibt, „das Geschenk einer offenen
Wunde, die A. L. Kennedy Liebe nennt”.
Elizabeth
und Derek gehen an Bord, ein fast noch junges Paar, es soll wohl eine Verlobung
geben. Doch dann trifft Beth auf Arthur, den sie kennt und erkennt und den sie
einmal geliebt hat. Derek verrenkt sich freundlicherweise den Magen und bleibt
für den Rest der Reise speiend in der Kabine zurück. Arthur und Beth ergeben
sich ganz ihrer wieder entflammten, gefährlichen Leidenschaft: „Sie versuchen,
mehr zu sein, sich als zwei Menschen darzubieten, die für andere Welten geboren
sind.” Arthur und Beth haben eine kriminelle Vergangenheit, als betrügerisches
Duo haben sie einst einen Zahlencode ersonnen, mit dessen Hilfe sie angeblich
Kontakt zu den Verstorbenen aufnehmen und den diesseits des Hades Verbliebenen
das Geld in erklecklichen Sümmchen aus den Taschen leiern konnten. So weit die
Handlung. Der Rest ist Sprache: Alles in allem liest sich Das blaue Buch wie ein Seelentrip, ein Fiebertraum voll
abgefahrener Metaphorik und selbstreflexiven Verweisen. Und irgendwann auf
diesen 365 Seiten wird das Buch lebendig und macht mit Ihnen, was es will. Dann
spielen sogar die Seitenzahlen verrückt. Keine Angst. Probieren Sie es aus, es
wird Sie erleuchten.
Das blaue
Buch von A. L. Kennedy ist bei Hanser erschienen.
(JK 11/12)

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