Bernhard Kegel: Ein tiefer Fall (Mare)


Einen Krimi aus dem Wissenschaftsbetrieb hat Bernhard Kegel mit seinem Buch Ein tiefer Fall geschrieben, der im Mare Verlag erschienen ist.

Als der Kieler Biologieprofessor Hermann Pauli spät am Abend den Campus verlassen will, locken ihn eigentümliche Geräusche in den obersten Stock des Biologiezentrums, ins Reich des gefeierten Evolutionswissenschaftlers Frank Moebus. Dort erwartet ihn ein grausiges Szenario: Zwischen zappelnden Fischen, Kröten und zahllosen Glasscherben liegt ein Mann, dessen Kopf in einem zerbrochenen Aquarium steckt, eine Scherbe hat sich tief in seine Kehle gebohrt. Wenig später findet die von Pauli gerufene Polizei einen zweiten Toten unter dem offenen Fenster – auch er ein Mitglied der Arbeitsgruppe von Frank Moebus. Kriminalhauptkommissarin Anne Detlefsen steht vor einem Rätsel. Geht es um die kostbaren Urzellen, auf die Moebus in der Tiefsee gestoßen ist? Eine neue Art von Leben – Größeres  kann man in der Biologie kaum entdecken. Bewegung kommt in den Fall, als eine Gruppe prominenter Forscher aus aller Welt Moebus in einem offenen Brief vorwirft, ihren Labors trotz mehrfacher Bitten keine Zellen zu überlassen; ein Verstoß gegen gute wissenschaftliche Praxis. In Hermann Pauli keimt ein unheimlicher Verdacht auf.

Bernhard Kegel kommt selbst aus dem Wissenschaftsbetrieb und mag daher sehr viel eigene Erfahrung in die Handlung einbringen. Zwar ist er seit fast zwanzig Jahren nicht mehr in der Wissenschaft tätig, fühlt sich ihr dennoch angehörig. Die Betrügereien, die Kegel in seinem neuen Buch anspricht, sind dabei Bestandteil dieser Welt. Der Kampf um Forschungsgelder, um Ruhm und Ansehen lassen manchen Wissenschaftler ethische Grundsätze zurückstellen. Bestes Beispiel ist der südkoreanische Klonforscher, der in seiner Heimat ein Megastar war und dennoch seine Forschung fälschte. Diese Zerrissenheit nimmt der Autor zum Anlass und thematisiert sie in seinem Krimi. Am Ende winkt die Erkenntnis, dass Starwissenschaftler zwar tief fallen können, es für sie aber letztendlich irgendwo doch eine kleine Hintertür gibt. Denn es gibt immer noch Menschen, die sich ihrer Dienste bedienen wollen. Der Betrug selbst wird kaum geahndet.

Nach seinem Vorgängerwerk Der Rote lässt Bernhard Kegel seinen Helden Hermann Pauli auch im neuen Buch wieder auftreten. Er ist ein sympathischer Typ und Kegel schafft sich mit der Figur des Hermann Pauli eine Art Alter Ego. Wie der Autor so ist auch Pauli ein begeisterter Musiker.

Bernhard Kegel, Jahrgang 1953, ist promovierter Biologe, leidenschaftlicher Jazzgitarrist und vielfach ausgezeichneter Autor von Romanen und Sachbüchern. Zuletzt erschien 2009 das Sachbuch Epigenetik. Wie Erfahrungen vererbt werden. Bernhard Kegel lebt mit seiner Familie in Brandenburg und Berlin.

Ein tiefer Fall von Bernhard Kegel ist im Mare Verlag erschienen.
(JK 04/12)

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