Auf dem Buchcover des Romans High Life des englischen Autors Matthew Stokoe, der bei Arche
erschienen ist, steht ein Zitat des Autorenkollegen Ken Bruen: „Wie Schlagring
auf Hirn“. Treffender kann man diesen verstörenden Roman nicht beschrieben.
Auf der Suche nach Geld, Sex und Macht zieht es Jack
nach Los Angeles. Doch der Traum von Ruhm und Reichtum bleibt unerfüllt.
Stattdessen fristet Jack ein elendes Dasein und schlägt sich mit
Gelegenheitsjobs durch. In der Hoffnung auf ein kleines, bescheidenes
familiäres Glück nimmt er schließlich die Prostituierte Karen bei sich auf.
Doch Karen verlässt ihn. Wenige Tage später wird ihre Leiche in einem
Abwasserkanal gefunden, entstellt und ausgeweidet. Jacks Leben gerät vollends
aus den Fugen. Bis er beschließt, sich dem Grauen, das über ihn hereingebrochen
ist, zu stellen. Er erfüllt sich seinen Traum von einem Leben im
Scheinwerferlicht und begibt sich auf eine Reise in die Finsternis.
Stokoe hat mit High
Life wohl das schwärzeste und menschenfeindlichste Buch über die
Traumfabrik Hollywood geschrieben. Das Atemberaubende an diesem Buch ist, dass
es glatt und gut geschrieben ist, der Inhalt jedoch zutiefst erschüttert und
verstört. Alle klassischen Zutaten eines Krimi Noir unter der Sonne
Kaliforniens sind vorhanden, aber Stokoe nimmt die Dinge und führt sie weiter
als die meisten. Sein Schreiben ist brutal, abstoßend und pervers. Das Lesen
erfordert einen starken Magen und es gibt Momente, wenn man nicht mehr
weiterlesen will, denn dies ist alles andere als leichte Lektüre. Und doch
schafft es Stokoe, dass man weiterliest. Er hat mehr zu bieten, als einen
Katalog grafisch beschriebener Schrecken. Die Handlung wird geschickt
ausgearbeitet, Elemente der Kriminalliteratur sicher verwendet. Es gibt sogar
einen gewissen Galgenhumor und manchmal ist es unmöglich, nicht zu lachen, auch
wenn sich Stokoes Figuren im Dreck suhlen.
Die Faszination dieses Buchs ist, dass es an sich
ein überzeugender und fesselnder Roman ist, der beim Leser das Gefühl erweckt,
ungewaschen zu sein. Ein dünner Film des Ekels legt sich über einen, den man
irgendwie glaubt, nicht abwaschen zu können. Die Bilder bleiben noch Tage
danach an einem haften. Kultur kann kaum pessimistischer sein.
Matthew Stokoe, 1959 in England geboren, verbrachte
sein bisheriges Leben zwischen England, den USA, Neuseeland und Australien. Er
spielte als Gitarrist in verschiedenen Bands, studierte angewandte
Volkswirtschaft und unterstützte die englische Staatsanwaltschaft durch seine
Mitarbeit beim Crown Prosecution Service. Matthew Stokoe ist der Autor von drei
Romanen und dem Drehbuch zu einem Kurzfilm. Stokoe lebt heute in einem Vorort
von Sydney.
High
Life von Matthew
Stokoe ist bei Arche erschienen.
(JK 06/12)

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