Der Roman Die neuen
Bekenntnisse von William Boyd, erschienen als Taschenbuch im Berlin Verlag,
handelt von einem genialen Regisseur, zwei Weltkriege und einer ungeheuerlichen
Film-Trilogie.
Als John James Todd 1917
in deutsche Gefangenschaft gerät, freundet er sich mit seinem Wärter Karl-Heinz
an, der gelegentliche Küsse gegen die einzelnen Seiten eines Buches eintauscht,
das Johns Leben für immer verändern wird: Rousseaus Bekenntnisse. Die
Verfilmung soll Todds Lebenswerk werden – doch das Projekt wird scheitern.
Die neuen Bekenntnisse ist ein unterhaltsamer
düster-komischer Roman. Wie so viele der Helden in Boyds Romanen, ist Todd kein
besonders idealistischer Mensch, und die Tatsache, dass er der erste einberufene
Mann an der Westfront' ist, hat weniger mit Heroismus zu tun als mit seinem
Bedürfnis, einer peinlichen Situation zu Hause zu entkommen. Die nächsten
melodramatischen Kapitel in seinem Leben werden in ähnlicher Weise von
Opportunismus, Impuls und Glück diktiert. Mit all seinen Brüchen und
Katastrophen ist das Leben der Hauptfigur eine Art Metapher auf das 20.
Jahrhundert.
William Boyd gehört zu
den besten Erzählern der britischen Literatur. Er hat die täuschend echte
Autobiographie einer Künstlerexistenz und zugleich die Biographie eines sich
zersetzenden Jahrhunderts meisterhaft geschrieben. Bei der Verwendung von
Rousseaus Leben und Werk als Rahmen für seine Geschichte, macht Boyd nie den
Fehler, zu versuchen, seinen Helden Todd in einen schwergewichtigen Philosoph
zu verwandeln, er bleibt authentisch in seiner Rolle als Durchschnittsmensch.
William Boyd wurde am 7.
März 1952 in Accra (Ghana) geboren. Er studierte an der Gordonstoun School, der
Glasgow University und am Jesus College in Oxford. Sein erster Roman A Good
Man in Africa erschien 1981, während er als Englischdozent am St. Hildas
Colleges (Oxford) tätig war, und gewann gleich zwei Preise: den Whitbread First
Novel Award und den Somerset Maugham Award. Das Granta Magazine und das Book
Marketing Council wählte Boyd 1983 zu den 20 besten jungen britischen
Erzählern. William Boyd lebt in London. 2005 wurde er zum Commander of the
British Empire (CBE) ernannt.
Die neuen Bekenntnisse von William
Boyd ist im Berlin Verlag erschienen.
(JK 04/12)

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