Geling Yan, erfolgreiche
US-Autorin chinesischer Herkunft, erinnert in ihrem mit Starbesetzung
verfilmten Roman Die Mädchen von Nanking, der bei Knaus erschienen ist,
an das Massaker von Nanking.
Nanking, Dezember 1937:
Nach tagelangen Gefechten geben die Chinesen die Stadt den japanischen
Eroberern preis. Tod und Zerstörung folgen. Noch glaubt Father Engelmann, dass
seine Missionsschule Mädchen aus vornehmen chinesischen Familien Schutz bieten
kann. Doch dann sucht eine Gruppe junger Prostituierter Zuflucht im Kloster –
und der Priester bringt es nicht übers Herz, sie in den sicheren Tod zu
schicken. Im Angesicht von Angst und Verzweiflung wachsen feine Verbindungen
zwischen den ungleichen Verbündeten. Im Mittelpunkt steht die schöne Yumo, eine
elegante und kluge Hure. Als sich die Lage zuspitzt, werfen die Prostituierten
ihr Leben in die Waagschale, um die Mädchen zu retten.
Aus der Sicht eines
dreizehnjährigen Mädchens entwickelt die Autorin ihren Roman, doch es ist nicht
die Geschichte des Mädchens, der Fokus wechselt zwischen dem Priester, dem
Koch, anderen Mädchen, den Prostituierten und den chinesischen Soldaten. Das
dient zwar dem Handlungsablauf, lässt die Figuren jedoch auch nicht bis in die
Tiefe entwickeln. Geling Yan beschränkt sich auf einen eindimensionalen Ablauf
ihrer Geschichte. Sie gibt die schreckliche Situation in Nanking realistisch
wieder, teilt jedoch rigoros in Gut und Böse ein und nimmt ihrer Geschichte
eine mögliche Vielschichtigkeit, die sie noch reizvoller hätte gestalten
können. So bleibt zwar ein unterhaltsamer Roman, eine exotisch-bizarre
Geschichte, die eindringliche Bilder
liefert aber auch stilistisch irgendwie zwischen einem Jugendbuch und einem
Roman steckt: als Jugendbuch jedoch zu explizit die brutalen Szenen des
Massakers enthält, als Roman mitunter nicht ausgereift erscheint und sich zu
sehr in der Kulisse aufhält.
Geling Yan, 1958 in
Schanghai geboren, diente während der Kulturrevolution in der Volksarmee und
arbeitete danach als Journalistin. 1985 erschien ihr erster Roman. Zahlreiche
weitere folgten, viele davon wurden verfilmt. Die Autorin ist mit einem
amerikanischen Diplomaten verheiratet und lebt zur Zeit in Europa.
Die Mädchen von Nanking von Geling Yan ist bei Knaus erschienen.
(JK 12/12)

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