Vom libanesischen Autor
Jabbour Douaihy ist bei Hanser sein Erfolgsroman Morgen des Zorns
erschienen.
Ein Sohn begibt sich auf
die Suche nach seinem ihm unbekannten Vater, der bei einer Blutfehde zwischen
Familienclans erschossen wurde. Zwanzig Jahre nachdem ihn seine Mutter in die
USA geschickt hat, kehrt Elija in den Libanon zurück. Er ist ein zerrissener
Mensch, der ständig Geschichten über die eigene Herkunft erfindet. Getrieben
von der Frage nach seinen Wurzeln, sucht Elija in seinem Heimatdorf Nachbarn,
Freunde und ehemalige Feinde seines Vaters auf. Doch wer immer ihm seine
Geschichte von jenem Massaker im Jahr 1957 erzählt, es ist eine andere.
Als Leser kommt man aus
diesem Roman nicht unversehrt heraus. Douaihy zeigt die unsägliche
willkürlicher Gewalt, die immer und immer wieder durch eine Polyphonie von
Stimmen lebendig wird. Von Kapitel zu Kapitel übernimmt man die Perspektive Elijas.
Die Verwirrung, die den Leser packt, ständig gezwungen, einen Blick auf die
anderen zu werfen, von einer Epoche zur anderen, von einem Hass auf den anderen
und schließlich das Bild von Elijas Verwirrung, der mehr als sieben
verschiedene Versionen der Tatsachen hört und dennoch nie Zweifel an der
Identität seines Vaters bekommt, im Kontrast zur Not eines ganzen Landes ausgeliefert
der Allmacht eines nach Rache durstenden Machotums. Trotz einiger Längen ist Morgen
des Zorns ein kräftiger Roman, den man lesen sollte.
Jabbour Douaihy wurde
1949 in Zghorta, Nord-Libanon, geboren. Er arbeitet als Professor für
französische Literatur an der Universität des Libanon und zählt zu den
bedeutendsten Intellektuellen des Landes. Douaihy ist Autor mehrerer Romane,
Erzählungen und Kinderbücher. Mit Morgen des Zorns zählte er 2008 zu den
Finalisten des arabischen Booker-Preises. Er lebt in Beirut.
Morgen des Zorns von Jabbour
Douaihy ist bei Hanser erschienen.
(JK 11/12)

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