Der neue Krimi des Altmeisters Elmore Leonard zeigt,
dass Verbrüderungen im Knast nicht zwangsläufig draußen in der Welt weiter
gehen. Sein neuer Roman heißt Road Dogs und ist bei Eichborn
erschienen.
Jack Foley ist Bankräuber aus Überzeugung und eine
coole Sau. Cundo Rey ist ein schwerreicher kubanischer Gangster. Sie freunden
sich im Knast an, und Cundo besorgt Foley eine supersmarte Anwältin, die es
schafft, aus dreißig Jahren Haft dreißig Monate zu machen. Währenddessen sitzt
Dawn Navarro, Cundos attraktive Frau, in einer Villa in Venice Beach und wartet
auf die Chance, ihren Gatten um sein Geld zu erleichtern. Foley kommt als
Erster aus dem Knast, und er schuldet Cundo einen Gefallen. Dawn würde ihn gern
auf ihre Seite ziehen. Foley muss sich überlegen, wem er trauen kann -- und was
eigentlich seine eigene Agenda ist...
Elmore Leonard zeigt in seinem Neuen Buch sein
ganzes Können. Er braucht keine detaillierten ultrabrutalen Szenen, um seine
Schwerverbrecher in das rechte Licht zu setzen. Ihm geht es um die Charaktere
mehr als um die bloße Handlung. Und so sind Leonard wahrhaft schöne Charaktere
gelungen. Jack weiß intuitiv, in jeder Situation richtig zu reagieren und trägt
sein Herz auf der richtigen Seite, Cundo Rey ist der schmierig joviale und
knallharte Kubaner, seine Frau Dawn die kühl berechnende, durchgeknallte Femme
Fatale. Auch weitere Nebenfiguren sind zur Freude des Lesers wunderbar
getroffen. Es gibt viel zu Schmunzeln und die Sympathien sind schnell und
leicht verteilt. So wird der Krimi auch zu einer Herzenssache des Lesers – der
Held darf nicht scheitern! Jedes Mal wenn es kritisch wird, atmet man
erleichtert auf, wenn Jack seinen Hals wieder aus der Schlinge ziehen kann.
Road
Dogs ist ein klassischer Leonard: lakonisch, schnell,
voll herrlicher Dialoge und überraschend bis zur letzten Seite. Große
Unterhaltung mit Soul.
Elmore John Leonard jr., 1925 in New Orleans
geboren, schrieb schon als Jugendlicher seine ersten Kurzgeschichten. Er
studierte in Detroit Englisch und Philosophie, veröffentlichte 1953 seinen
ersten Roman — einen Western. Seitdem hat er mehr als 40 weitere Bücher
geschrieben, rund die Hälfte der Stoffe wurde fürs Kino oder Fernsehen
adaptiert. Die Washington Post bezeichnet Elmore Leonard als „nationales Denkmal“
— auf einer Stufe mit Originalen wie Willie Nelson. Stephen King nennt ihn
einfach nur „Daddy Cool“. Leonard wandte sich erst in den 1970er-Jahren Krimis
zu, auf ein Genre ist er bis heute nicht festzulegen.
(JK 01/11)

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