Der schweizer Autor Martin Suter begründet mit
seinem neuen Roman Allmen und die
Libellen, der bei Diogenes erschienen ist, eine neue Krimireihe. Allmen,
eleganter Gentleman, Lebemann, Feingeist, Kunstsammler und charmanter
Hochstapler, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf
zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos in diesem
ersten Krimi der Reihe auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die
Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Es ist die Geburt eines ungewöhnlichen
Ermittlerduos und der Start einer charmanten Krimiserie.
Allmen hat über die Jahre das Millionenerbe seines
Vaters durchgebracht. Das hochherrschaftliche Anwesen musste er verkaufen, er
hat sich mit seinem lebenserfahrenen Faktotum Carlos aus Guatemala ins
bescheidene Gärtnerhaus zurückgezogen. So schlecht er mit Geld umgehen kann, so
virtuos beherrscht er den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die
diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder
aus der Bredouille. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er
guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten,
über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt. Bis ihn nach einem
alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die See-Villa
ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden
Jugendstil-Schalen entdeckt, jede ein kleines Vermögen wert. Und jede mit einem
Geheimnis behaftet. Eine Herausforderung, an der er wachsen – oder die ihn das
Leben kosten kann
In Suters erstem Kriminalfall geht es beschaulich zu
und passt sich damit in die schweizer Seekulisse ein. Eine gefällige Story, die
sich so entspannend den gängigen Krimiklischees entzieht. Das könnte aber auch
der Bumerang für Suter werden, da eine prickelnde Spannung nicht wirklich
aufkommt. Wenn man beim Lesen des Buches manches Mal mehr Fahrt vertragen
könnte, so ist beim gleichzeitig bei Diogenes erschienenen Hörbuch das wiederum
gerade der Charme durch die gelungene Interpretation Gert Heidenreichs. Die
Welt des Lebemanns von Allmen wird greifbar und man taucht genüsslich in die
halbseidene Welt ein.
Für die kommenden Allmen-Krimis in der Reihe wollen
wir zwar, dass das angenehme literarische Niveau und der Erzählstil bleibt aber
etwas mehr Krimispannung täte der Figur Allmen und seinem Faktotum Carlos gut.
Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, ist
Schriftsteller, Kolumnist (er schrieb die wöchentliche Kolumne Business Class und verfasste die
Geschichten um Geri Weibel) und Drehbuchautor (u.a. schrieb er 2009 das
Drehbuch zu dem Film Giulias Verschwinden).
Bis 1991 arbeitete er als Werbetexter und Creative Director, bis er sich
ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane sind auch international
große Erfolge. Allmen und die Libellen
ist der Auftakt zu seiner Krimiserie. Martin Suter lebt mit seiner Familie in
Spanien und Guatemala.
(JK 05/11)

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