Michel Houellebecq, Enfant terrible der
Literaturszene, hat das Buch geschrieben, das niemand erwartet hätte. Karte und Gebiet, erschienen bei Dumont, ist ein großer Wurf: ein doppelbödiges,
selbstironisches Vexierspiel, ein gewichtiger Roman, der zugleich wie
schwerelos wirkt. Houellebecq erweist sich darin als begnadeter Erzähler, der
alle Spekulationen ins Leere laufen lässt.
Jed Martin ist Künstler. In seinen ersten Arbeiten
stellt er Straßenkarten und Satellitenbilder gegenüber, zum Durchbruch
verhelfen ihm jedoch Porträts. Einer der Porträtierten: „Michel Houellebecq,
Schriftsteller“. Doch dann geschieht ein grausames Verbrechen: ein Doppelmord,
verübt auf so bestialische Weise, dass selbst die hartgesottenen Einsatzkräfte
schockiert sind.
Die Kunst, das Geld, die Arbeit. Die Liebe, das
Leben, der Tod: Davon handelt dieser altmeisterliche Roman, der auch
hierzulande bereits als literarische Sensation gefeiert wird. Michel
Houellebecqs neustes Werk ist ein vollendeter Geniestreich von überraschender
Zartheit. Der einstige Agent provocateur erscheint darin gereift und auf so
humorvolle Weise melancholisch wie nie.
In seinem neusten Buch erleben wir einen stark
zurückgenommenen wenn nicht sogar milden Michel Houellebecq. Von der
Provokation aus seinen früheren Werken gelangt Michel Houellebecq zu einer
ernsthaften Anschauung über den Kunstbetrieb und seine Regeln. Da wird ein
Maler zum Liebling des Kunstbetriebes erklärt, von dem man alles andere
erwartet hätte, als dies zu goutieren. Originell ist die Idee als besten Freund
des Malers einen kauzigen, hochgradig raffinierten Schriftsteller auftreten zu
lassen namens Michel Houellebecq. Aber es ist hingegen der Maler, in dem sich
der Autor ironisch spiegelt. Michel Houellebecq ist ein Roman gelungen, für den
er mit dem höchsten französischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, der aber auch
wieder für viel Widerspruch sorgen wird – allerdings wohl weit weniger leidenschaftlich
als bisher gewohnt.
Michel Houellebecq wurde 1958 auf La Réunion geboren
und wuchs bei seinen Großeltern in Crécy-La-Chapelle auf. 1980 erhielt er sein
Diplom als Agraringenieur, danach arbeitete er im Informatik-Bereich. Houellebecq
veröffentlichte zunächst Gedichtbände, für die er bald mit Preisen
ausgezeichnet wurde. 1992 wurde ihm der Prix Tristan Tzara für Suche nach Glück, 1996 der Prix de Flore
für Der Sinn des Kampfes verliehen.
Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem ersten Roman Ausweitung der Kampfzone. Sein zweiter
Roman Elementarteilchen erschien im
Herbst 1998 und wurde noch im gleichen Jahr mit dem angesehenen Prix Novembre
und dem Prix du Meilleur Livre de l’Année des Literaturmagazins Lire
ausgezeichnet. Der visionäre Gesellschaftsroman erschien in über 25
Übersetzungen und wurde zum viel diskutierten Kultbuch. Die Werke des als
Stimme des 20. Jahrhunderts geltenden Skandal- und Kultautors wurden verfilmt
und für die Bühne dramatisiert; seine Gedichte vertonte Houellebecq mit seiner
Band. Michel Houellebecq lebt heute in der irischen Grafschaft Cork.
Karte und Gebiet von Michel Houellebecq ist bei Dumont erschienen.
(JK 06/11)

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