Philippe Djian: Die Leichtfertigen (Diogenes)

In dem neuen Roman Die Leichtfertigen des französischen Autors Philippe Djian, der bei Diogenes erschienen ist, geht es um Drogen, Liebesaffären, Verkehrsunfälle und ein abgekartetes Spiel im Leben des Schriftstellers Francis.

Francis ist als Schriftsteller erfolgreich, als Ehemann und Vater leidgeprüft. Seine erste Frau und eine seiner beiden Töchter sind vor seinen Augen ums Leben gekommen. Inzwischen ist Francis zum zweiten Mal verheiratet, wohnt in einem Haus am Meer an der Grenze zu Spanien, und seine Tochter Alice, die als Kind die Katastrophe überlebt hat, ist Mutter von Zwillingen und lebt nach wilden Jugendjahren in stabilen Verhältnissen in Paris. Doch plötzlich ist Alice wie vom Erdboden verschluckt. Tage und Wochen verstreichen ohne eine Nachricht. Ihr Mann Roger und die beiden Mädchen sind beunruhigt, Francis ebenso. Ist ihr etwas zugestoßen? Hat sie eine Affäre? Oder nimmt sie wieder Drogen? Roger dreht fast durch. Und Francis nimmt die Zwillinge bei sich auf und erzählt ihnen Gutenachtgeschichten, obwohl an Schlaf nicht zu denken ist. Je schlimmer die familiären Sorgen werden, desto mehr verschanzt sich Francis in einer mentalen Festung, wo niemand und nichts ihm etwas anhaben kann – er schreibt. Doch so einfach kann er sich dem Leben nicht entziehen: Begehrenswerte Frauen, traumatisierte Kinder und schamlose Hochstapler rütteln an seiner Tür und wollen geliebt, getröstet und beachtet werden.

Philippe Djian hat einen großartigen Roman geschrieben. Die einfühlsame Geschichte eines Mannes, der eigentlich nichts anderes will als einen ruhigen Lebensabend und dabei die schlimmste Zeit seines Lebens durchmachen muss. Philippe Djian bettet seinen Roman in die schöne und charmante Kulisse auf dem französischen Land. Doch hinter der Fassade wogen ungeahnte menschliche  Abgründe. Mit klugen sprachlichen Mitteln beschreibt Djian die gegensätzlichen Pole – auf der einen Seite der Vater, auf der anderen die Tochter. Ein in sich stimmiges Gesamtwerk, das anrührt und gleichermaßen ernüchtert. Und trotz der doch sehr wuchtigen Thematik ist Djians Roman unglaublich leichtfüßig erzählt.

Philippe Djian, geboren 1949 in Paris, wechselte oft den Wohnsitz. Bisherige Stationen: New York, Florenz, Bordeaux, Biarritz, Lausanne und Paris. Auf einer Autobahnmautstelle, bei einem seiner Gelegenheitsjobs, tippte Philippe Djian seinen ersten Roman. Sein dritter Roman Betty Blue– 37,2 Grad am Morgen wurde zum Kultbuch. Der Autor lebt heute in Biarritz.

Die Leichtfertigen von Philippe Djian ist bei Diogenes erschienen.
(JK 06/11)

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