Stephan Brüggenthies: Der geheimnislose Junge (btb)

Den ersten Fall des Kölner Kommissars Zbigniew Meier siedelt der Autor Stephan Brüggenthies im Pädophilenmilieu an. Sein Krimi Der geheimnislose Junge ist nun als Taschenbuch bei btb erschienen.

Einen recht unaussprechlichen Vornamen hat Hauptkommissar Meier vom KK51 der Kölner City-Polizei Stolkgasse. Er versucht gerade, sich selber gegenüber eine Beziehung zu einer Siebzehnjährigen einzugestehen. Nicht nur dadurch verunsichert, vor allem seine Laune ist recht angespannt, als er von seinem türkischen Kollegen Zeynel in einen vermeintlichen Routinefall hineingezogen wird: Ein Junge wird von seinen Eltern vermisst. Je mehr Meier über das vermögende Elternhaus und den wohlbehüteten Schüler eines Kölner Elitegymnasiums in Erfahrung bringt, desto sicherer ist er, dass der 15-jährige Timo einfach abgehauen ist. Kurz darauf wird in  Turin der Torso eines Jungen gefunden, der missbraucht und grausam verstümmelt wurde. Auf seinem Rücken eingezeichnet: eine Karte von Frankreich. Und obwohl der tote Junge nicht Timo ist, glaubt Zbigniew Meier an einen Zusammenhang. Auf eigene Faust macht er sich auf den Weg nach Houlgate in der Normandie — an jenen Ort, an dem Timo mit seiner Familie den letzten Urlaub verbracht hat und an dem sich sein Leben entscheidend verändern sollte.

Eigentlich ist die Komposition des Krimis recht explosiv. Ein Kommissar der selbst ein Verhältnis mit einer frühreifen Minderjährigen pflegt, muss im Pädophilenmilieu ermitteln, will einen Pädophilenring zur Strecke bringen. Seltsamerweise wird dies nicht in der zu erwartenden Art ausgeschlachtet. Es hätte Stoff für einen tiefgründigeren Psychothriller geben können. So bleibt es bei einem braven weil vorhersehbaren Krimi. Routiniert wird der Fall ausgebreitet, zweifelsohne unterhaltsam aber auch in gewisser Hinsicht oberflächlich und mit ein wenig zu häufig sich einstellender Intuition. Möglicherweise muss sich der neue Kommissar Zbigniew Meier erst einmal warm laufen. Unser Wohlwollen ist ihm auf jeden Fall gewiss.

Stephan Brüggenthies, geboren 1968 in Münster, studierte zunächst Musikwissenschaft sowie Betriebswissenschaft und arbeitete als Journalist. Seit einem weiteren Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg schreibt er Drehbücher (u.a. Tatort) und ist Komponist für Filmmusik. Er lebt mit Frau und Sohn in Köln.

Der geheimnislose Junge von Stephan Brüggenthies ist bei btb erschienen.
(JK 06/11)

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