Mit An den Flüssen, die strömen, das bei Luchterhand erschienen ist, hat António Lobo Antunes sein persönlichstes Buch geschrieben.
Es ist die Chronik seiner Krankheit.
In seinem persönlichsten, ergreifendsten Buch
erzählt der weltberühmte Schriftsteller António Lobo Antunes ganz offen von
seiner Erkrankung an Krebs. Er berichtet von den zwei langen Wochen, die „Senhor
Antunes“, sein literarisches Alter Ego, in einem Krankenhaus verbringt, mit
seinem Schicksal hadert, sich Operation und Behandlung unterzieht, sein Leben
Revue passieren lässt und – letztlich – seine Todesangst überwindet.
Im Frühjahr 2007 verbringt „Senhor Antunes“ zwei
Wochen in einem Krankenhaus, um sich einer Darmkrebsoperation zu unterziehen.
Seine täglichen Aufzeichnungen spiegeln wider, wie das Bewusstsein des
Erzählers zwischen Fieberträumen und Verzweiflung, Schmerzen und Ängsten,
Erinnerungen an seine Kindheit und an verschiedene Episoden aus seinem Leben
hin und her springt und all diese Ebenen miteinander verwebt. Die für das
Schreiben von António Lobo Antunes so typische Stimmenvielfalt ergibt sich hier
aus den vielen Facetten eines einzigen Lebens, eines einzigen Menschen. Und
dieser Mensch versucht sich im Angesicht des Todes seines Lebens zu
vergewissern, der Menschen, die ihm wichtig waren, vor allem seines Vaters und
seiner Mutter, aber auch der Landschaft, die ihn prägte. Immer wieder kommt der
Fluss Mondego ins Spiel, an dessen Quelle der Erzähler als Kind stand und der
am Ende ins offene Meer mündet, der Fluss, der zugleich Bild des Lebens ist wie
des Erzählens. In diesem sehr persönlichen, sehr anrührenden, meisterhaften
Roman schlägt Lobo Antunes einen großen Bogen von tiefer existentieller Qual zu
Hoffnung und Versöhnung.
Es ist schwer, den Inhalt des Buches wiederzugeben,
da sich das Erzählte wie in einer Stromschnelle hin und her wirbelt. Es sind
Schlaglichter, die ihren Zauber durch die poetische Schilderung erhalten. An den
Flüssen, die strömen ist ein sehr intimes Bekenntnis des
portugiesischen Altmeisters.
António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren.
Er studierte Medizin, war während des Kolonialkrieges 27 Monate lang
Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner
Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo
Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur.
In seinem Werk, das mittlerweile zwanzig Titel umfasst und in über dreißig
Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der
portugiesischen Gesellschaft auseinander. Er erhielt zahlreiche Preise,
darunter den Großen Romanpreis des Portugiesischen Schriftstellerverbandes, den
Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, den Jerusalem-Preis für
die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und zuletzt 2007 den
Camões-Preis.
An den Flüssen, die strömen von António Lobo Antunes ist bei Luchterhand erschienen.
(JK 12/11)

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