Jordi Soler: Das Bärenfest (Knaus)


Von dem in Mexiko geborene katalanisch stämmige Autor Jordi Soler ist jetzt zum ersten Mal ein Buch auf Deutsch erschienen. Es ist der 2009 geschriebene Roman Das Bärenfest und ist bei uns bei Knaus erschienen. Der Roman erzählt davon, was aus einem Menschen werden kann, der alles verloren hat.

Oriol, Franco-Gegner und republikanischer Kämpfer, ist bei der Flucht über die Pyrenäen im Schneesturm umgekommen. So weiß es die Familienüberlieferung. Fast siebzig Jahre später jedoch kommt sein Großneffe mit Hilfe eines Ziegenhirten und einer Waldfrau einer unglaublichen Geschichte auf die Spur.

Was machen Menschen, die alles verloren haben, Heimat, Familie, Überzeugungen? Im Lauf des Jahres 1939 stoßen in den Pyrenäen aus entgegengesetzten Richtungen kommend zahllose Menschen aufeinander, denen eben dies widerfahren ist. Während von der spanischen Seite aus Bürgerkriegsflüchtlinge versuchen, sich nach Frankreich zu retten, fliehen aus der Gegenrichtung immer häufiger Menschen vor den Nazis. Viele von ihnen verlieren elend ihr Leben. Auch Oriol. In seiner Familie wird er seither wie ein Heiliger verehrt. Bis einem Großneffen ein Gerücht zugetragen wird. Nach abenteuerlichen Recherchen steht er schließlich vor dem Mann, der angeblich seit siebzig Jahren tot ist. Und der damals in aussichtsloser Lage alle Prägungen der Zivilisation abgestreift hat.

Jordi Solers Roman Das Bärenfest bildet den dritten Band einer Saga über eine Familie, die durch den Spanischen Bürgerkrieg zerrissen wurde. Ging es in den beiden Vorgängerbänden, die bisher nicht in deutscher Übersetzung vorliegen, um den Großvater Arcadi und sein Schicksal der Flucht und schließlichem Exil in Mexiko, so beschäftigt sich Das Bärenfest mit dem Bruder des Großvaters, der als Märtyrer verehrt wird. Es ist die Geschichte einer Recherche, einer Spurensuche, die am Ende Ungeheuerliches enthüllt. Jordi Soler ist ein begnadeter Erzähler. Obwohl man im Verlauf des Buches immer mehr die Ahnung bekommt, was passieren wird, hält er die Spannung und Tempo bis zum Ende. Für deutsche Leser ergeben sich hier und dort Parallelen, als auch hierzulande plötzlich Mythen um Familienmitglieder  aus den Jahren der Naziherrschaft platzen. Wie kann man mit dem Offenbarten umgehen, wenn man realisiert, dass man einer Lebenslüge aufgesessen hat?  Das Bärenfest ist ein wuchtiger Roman mit starkem Echo, das Thema schwermütig, vom Autor in spannender Form umgesetzt.

Jordi Soler, Jahrgang 1963, Sohn katalanischer Emigranten, die am Ende des Spanischen Bürgerkriegs nach Mexiko flohen, gehört zu den bedeutendsten spanischen Autoren der Gegenwart. In seinen hoch gelobten, historisch fundierten Romanen setzt er sich – aus der Perspektive der Enkelgeneration – mit Flucht und Exil auseinander. Dabei deckt er in literarischer Form Verschwiegenes und Verdrängtes auf.

Das Bärenfest von Jordi Soler ist bei Knaus erschienen.
(JK 12/11)

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