Von Männerfreundschaft, Liebe, Sex, Tod, und was es
bedeutet, jüdisch zu sein, handelt der mit dem Booker Prize ausgezeichnete
Roman Die Finkler-Frage von Howard
Jacobson, der bei DVA erschienen ist.
Julian Tresloves Leben ist ein Scherbenhaufen.
Gescheitert als Redakteur der BBC, gescheitert in seinen Beziehungen zu Frauen,
gescheitert als Vater seiner zwei Söhne. Eines Abends wird Treslove Opfer eines
Überfalls und glaubt zu hören, wie die Angreiferin ihn als Juden beschimpft –
und ist auf perverse Art glücklich. Endlich gehört er irgendwo dazu. Was nur
werden seine beiden Freunde zu diesem Gesinnungswandel sagen? Beide sind Juden
und wären es lieber nicht.
Howard Jacobson hat einen klugen Roman geschrieben,
der das Jüdischsein sehr sarkastisch hinterfragt und geizt obendrein dabei
nicht mit Komik und Humor. Er lässt dabei auch absichtlich politische
Korrektheit links liegen und provoziert absichtlich. Doch ist diese manchmal
thesenhafte Auseinandersetzung nicht das alleinige Thema des Buches. Gefühle
wie Liebe und Trauer sind ebenfalls Komplexe, denen sich Jacobson in seinem
Buch widmet, auch Gefühlen wie Eifersucht, Neid und Eitelkeit. Hinter einer
vermeintlichen Oberflächlichkeit steckt hingegen ein tieferer Sinn. Jacobsons
Figuren sind getriebene ihrer selbst, psychologisch vielschichtig. Sprachlich
raffiniert nimmt Howard Jacobson die Obsessionen unserer Zeit ins Visier. Mit
seinem Roman Die Finkler-Frage ist
Jacobson en fabelhaftes Buch gelungen, für das er zurecht mit dem Booker Prize
geehrt wurde, dem wichtigsten Literaturpreis der englischsprachigen Welt.
Howard Jacobson, 1942 in Manchester geboren, hat
bisher elf Romane und vier Sachbücher vorgelegt. Jacobson zählt zu den
renommiertesten Autoren Großbritanniens und hat neben dem Booker Prize schon
viele literarische Ehrungen erhalten.
Die Finkler-Frage von Howard Jacobson ist bei DVA erschienen.
JK (12/11)

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