Florian Illies liest am Mittwoch, 5. Dezember, im Literaturhaus Hamburg


Literaturhaus
Mittwoch, 5.12.2012  19.30 Uhr
Schwanenwik 38, 22087 Hamburg
Eintritt: 6 – 10 Euro.

Florian Illies stellt sein Buch 1913 vor, das bei S. Fischer erschienen ist. Klaus Brinkbäumer moderiert.

Ein bisschen, ein ganz klein wenig erinnert 1913 von Florian Illies an einen Woody-Allen-Film – im allerbesten Sinne natürlich. Während Allen in Midnight in Paris die „Lost Generation” von Hemingway bis zu den Fitzgeralds in St. Germain-des-Prés aufmarschieren lässt, versammelt der Journalist, Publizist und Kunsthistoriker Illies auf gut 300 Seiten die Größen der europäischen Moderne – Literatur, Musik, Politik und Zeitgeschichte. Er richtet sein Brennglas auf das Jahr 1913, um dessen Schicksalhaftigkeit aufzufächern und „die ungeheure ungleichzeitige Gleichzeitigkeit” der Geschehnisse am Vorabend des Ersten Weltkrieges zu analysieren: „Selbst als Hitler und Stalin 1939 ihren verhängnisvollen ,Pakt‘ schlossen, sind sie sich nicht begegnet. Sie waren sich nie näher als an einem dieser bitterkalten Januarnachmittage im Park von Schloss Schönbrunn.” Hitler und Stalin gehen (getrennt) im Park spazieren, Oskar Kokoschka betet Alma Mahler an, Else Lasker-Schüler verliebt sich in Dr. Benn, Alfred Kerr verreißt Thomas Mann, Igor Strawinsky lernt Coco Chanel kennen, Lyonel Feininger radelt nach Gelmeroda: 1913 – das 20. Jahrhundert in einer Nussschale.

Mit stupendem Wissen und eleganter Feder webt Florian Illies eine engmaschige Textur aus biografischen Hintergründen, Briefen und Nachgelassenem, aus Literatur, Anekdoten und eigenen scharfsinnigen Anmerkungen. Seine Kommentare sind stets erhellend und meistens ziemlich lustig. Besonders Rainer Maria Rilke, der chronische Nörgler, und Franz Kafka, der ewige Zauderer, bekommen ihr Fett weg: „Dann, am 22. März, also dem Tag, an dem er abreisen soll (und auch abreisen wird), schreibt er Felice noch auf den Umschlag die großen Worte: ,Noch immer unentschieden. Franz‘. Vier Worte, eine Autobiographie.” Anschaulicher wurden wohl kaum je Geistesgrößen vom Podest geholt und zu Menschen gemacht. 1913 ist ein vergnüglicher und brillanter Parcours durch die europäische Geistesgeschichte, verfasst von einem „empfindsamen Diagnostiker des Zeitgeistes”, urteilt die Süddeutsche Zeitung.

Florian Illies, geboren 1971, studierte Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Nach einigen Jahren als Redakteur übernahm er bereits Ende der Neunziger Jahre die Leitung des Feuilletons einer der renommiertesten deutschen Tageszeitungen sowie deren Sonntagszeitung. Florian Illies war darüber hinaus Mitgründer der Kunstzeitschrift Monopol und ihr Herausgeber. 2008 wechselte er als Ressortleiter Feuilleton und Literatur zur ZEIT. Illies ist jetzt Partner des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach und dort für die Kunst des 19. Jahrhunderts verantwortlich. Seine bislang vier Bücher verkauften sich über 1 Million Mal.

1913 von Florian Illies ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 11/12)

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