Vortrag und Diskussion mit Doug Saunders am Montag, 10. Dezember, im Hamburger Rathaus


Hamburger Rathaus
Montag, 10.12.2012  20.00 Uhr
Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg

Eintritt: Frei
Um Anmeldung wird gebeten. GRÜNE Bürgerschaftsfraktion Hamburg, Tel. 040/42831-1397 oder Email: info@gruene-fraktion.hamburg.de

Vortrag und Diskussion: Der kanadische Journalist und Autor Doug Saunders kommt auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung, der Europa-Fraktion der GRÜNEN und der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion zu einer Lesungs- und Vortragsreihe nach Hamburg. Vorgestellt werden seine beiden 2011 und 2012 im Blessing Verlag publizierten Bücher Arrival City und Mythos Überfremdung.

Von Finnland bis Italien verändert derzeit ein Hirngespinst die politische Landschaft Europas: der Mythos der Überfremdung. Dem Weltbild paranoider Extremisten wie Anders Breivik oder der Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle, dem Thesen-Anschlag eines Thilo Sarrazin und den Programmen skandinavischer „Heimat“-Parteien ist dabei eines gemein – ihre fremdenfeindliche Rhetorik bedient sich vermeintlich stichhaltiger wissenschaftlicher Argumente. Mit den zu Fakten verbrämten Vorurteilen räumt Doug Saunders in seinem neuen Buch Mythos Überfremdung Punkt für Punkt auf.

Saunders’ Abrechnung verfolgt die Herkunft sämtlicher Halb- und Unwahrheiten, die eine Überfremdung des Westens durch muslimische Migranten belegen sollen, zurück und entlarvt sie als das, was sie sind. Dabei wird erschreckend deutlich, dass Positionen, die noch vor ein paar Jahren als Parolen vom rechten Rand gegolten hätten, heute im Mainstream kultureller, politischer und sozialer Sichtweisen angekommen sind.

In seinem 2011 erschienen Buch Arrival City widmet sich Doug Saunders  der größten Völkerwanderung, die die Menschheit in ihrer Geschichte aktuell erlebt. Ein Drittel der Weltbevölkerung zieht – über Provinzen, Länder, Kontinente hinweg – vom Land in die Städte. In unserer Zeit leben zum ersten Mal mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land.

Die These, dass diese radikale, unumkehrbare Entwicklung eine positive ist – sowohl für die Migranten als auch für die Städte, in denen sie ankommen –, setzt Saunders’ Buch von gern beschworenen Untergangsszenarien ab. Ob Migration funktioniert oder nicht, hat wenig mit kulturellen Klüften oder religiösen Gegensätzen zu tun. Die Ziele der Neuankömmlinge sind – egal aus welchem Land sie stammen oder in welche Stadt sie gehen – die gleichen. Doch ob sie Arbeit finden, soziale Netzwerke aufbauen, ihren Kindern Schulbildung und eine Zukunft ermöglichen können, hängt stark davon ab, ob die Stadt auf sie vorbereitet ist.

Drei Jahre lang hat Saunders in Berlin-Kreuzberg, im Londoner East End und den Banlieues von Paris, in den Favelas von Rio de Janeiro und den Barrios in Los Angeles mit Menschen über ihre Lebenspläne und Lebenswirklichkeiten gesprochen. Über zwanzig solcher Viertel, Rand- und Außenbezirke, diese Orte der Ankunft – Arrival Citys –, porträtiert Saunders in seinem Buch. Sein Fazit: Scheitert die Arrival City, wird sie zum sozialen Brennpunkt, zur Brutstätte von Kriminalität und hybridem Extremismus, zum Elendsviertel. Blüht sie auf, wird die Arrival City zur Geburtsstätte der neuen Mittelschicht, der stabilen Wirtschaft und des sozialen Friedens einer Stadt.

Doug Saunders, Jahrgang 1967, ist kanadisch-britischer Autor und Journalist. Für seine Reportagen und Kolumnen wurde er bislang vier Mal mit dem National Newspaper Award ausgezeichnet, dem kanadischen Pendant des Pulitzers. Sein von der Presse hochgelobtes erstes Buch Arrival City wurde für renommierte Sachbuchpreise nominiert und gewann den Donner Prize.

Arrival City und Mythos Überfremdung von Doug Saunders sind bei Blessing erschienen.
(JK 11/12)

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