Ben Brooks: Nachts werden wir erwachsen (Berlin Verlag)


Der Berlin Verlag kündigt ein neues Wunderkind der britischen Literatur an: Ben Brooks ist 19 und Nachts werden wir erwachsen ist sogar bereits sein vierter Roman. Und wie es sich für einen 19-Jährigen gehört, hält er nicht viel von Kompromissen. Mit radikaler Komik porträtiert er eine Jugend, die zwischen Internetpornographie und Psychotherapie, zwischen Facebook-Chat und Hippie-Eltern um ihren eigenen Platz in der Welt ringt.

„Wenn etwas gut gelaufen ist, heißt das, ich hatte Sex, war betrunken und habe von einer Droge so viel genommen, dass alle Wirkungen auftraten, die ich in Sozialkunde gelernt habe.“ Soweit läuft alles gut in Jaspers 17-jährigem Leben. Wären da nicht all die To-do-Listen von seiner Mutter, die seine Tagesabläufe perfektionieren sollen, der mysteriöse Selbstmord einer Mitschülerin und der One-Night-Stand mit der pummeligen Abby Hall, der äußerst unangenehme Folgen hat. Jasper schwebt ständig zwischen Luftleere und Sinnsuche.

Die britische Mainstream-Kultur bietet täglich im Fernsehen einige extreme Bilder jugendlichen Lebens, die auch im deutschen Fernsehen in verschiedenen Formaten Einzug gehalten haben. Oberstufenschüler feiern massive Partys und propagieren das zum vorrangigen Ausdruck eines erfüllten Lebens. Sie nehmen jede Menge Drogen, betrinken sich und haben Sex. Einige sind magersüchtig, schwanger oder depressiv – was allerdings ins Auge sticht: niemand hat Akne, es gibt keine schlechten Haarschnitte und Frisuren, niemand landet in den Beratungszimmern ungewollter Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten gibt es auch nicht. Ben Brooks verlässt dieses Image in seinem Roman und bietet ein Gegenmittel zur medialen Vision der Jugend, indem er einem Oberstufen-Nerd und seinen schmuddeligen Kollegen auf der Suche nach Ausschweifung folgt. Nach dem überschwänglichen Lob seitens des Verlags überrascht hingegen, dass sich Ben Brooks nie jenseits der oberflächlichen Schilderung von Ereignissen bewegt, und bei der zugegeben schlagfertigen Beschreibung der Abfolge von Begegnungen dem Leser keinen echten Einblick in die jugendliche Erfahrenswelt eröffnet. Diese mangelnde Charakterisierung nervt zunehmend bei der Lektüre zumal die erwachsenen Charaktere im Roman grobe Stereotypen sind. Jaspers Beschäftigung mit seinem Stiefvater hätte dem Roman eine interessante Dynamik verleihen können, doch steht da die Verachtung des Helden fulminant im Weg und somit gerät dieser Teil ebenfalls alles andere als überzeugend. Brooks Roman birgt zwar Komik, doch schafft er es nicht, über das Klischee hinaus zu wachsen. Damit bleibt er enttäuschend unverbindlich und nichtssagend.

Ben Brooks, geboren 1992, lebt in London. Nachts werden wir erwachsen ist sein vierter Roman, und der erste, der auf Deutsch erscheint.

Nachts werden wir erwachsen von Ben Brooks ist im Berlin Verlag erschienen.
(JK 05/12)

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