Oliver Harris: London killing (Blessing)


Der Thriller London killing des englischen Autors Oliver Harris, der bei Blessing erschienen ist, beschreibt eine tödliche Spirale aus Lügen und Korruption, aus Identitätsschwindel und Finanzbetrug und ein punktgenaues Porträt Londons.

Es sieht nicht gut aus für Detective Nick Belsey: Er hat einen Haufen Schulden, verursacht durch zwei hartnäckige Exfrauen und einen ausschweifenden Lebenswandel , kein Dach mehr über dem Kopf und ein Disziplinarverfahren am Hals. Fieberhaft überlegt er, wie er sich aus dem Staub machen könnte.  Da landet ein Fall auf seinem Schreibtisch: Ein russischer Oligarch aus dem reichsten Stadtteil Londons, Hampstead Heath, ist spurlos verschwunden. Belsey fängt an, auf eigene Faust zu ermitteln, denn in ihm reift ein Plan. Die Identität des Vermissten könnte ihm dabei helfen, sich heimlich abzusetzen und ein neues Leben anzufangen. Als er bemerkt, dass jemand vor ihm bereits dieselbe Idee gehabt hat, hält ein zielsicherer Auftragskiller bereits die ganze Stadt in Atem. Belsey steckt mittendrin in einem Strudel aus Korruption und Finanzbetrug und versucht abzutauchen, bevor er untergeht.

London Killing ist der Auftakt zu einer neuen Detective-Thriller-Reihe. Wie in guten Krimis üblich, webt London killing auf schöne Weise den Ort des Geschehens in die Handlung ein. Es führt uns in die Zentren des Reichtums der britischen Hauptstadt, wo sich die Oligarchen tummeln. Oliver Harris zeigt nicht den Traum eines jeden Arbeiters sondern zeichnet eine Schattenwelt aus Korruption, Gier, Paranoia und Zynismus. Der Reichtum in London killing wird nicht als etwas Erstrebenswertes präsentiert sondern erinnert an die alte Maxime über die Wurzel allen Übels. Die Insignien des Wohlstands werden als nichts anderes als unrechtmäßig erworbene Gewinne ausgegeben. Ebenso tragen die Figuren wenig dazu bei, Leser aus Londons Finanzwelt zu gewinnen, denn nahezu alle auftretenden Figuren sind bestechlich und amoralisch, ihre Gier ist ihr Imperativ. Das soll nun aber nicht heißen, dass das Buch ein simples Banker-Bashing ist. London killing ist plausibel geschrieben. Es geschehen keine Verbrechen, die nicht in der Realität ihre Entsprechung haben. Das Buch ist überaus glaubwürdig. Harris erinnert den Leser, dass die Welt nicht aus unanfechtbaren Good Guys besteht. Stattdessen gibt es einige Good Guys, die zugleich auch Bad Guys sind. Der baddest von den Good Guys ist die Hauptfigur Nick Belsey. Mit Belsey hat der Autor sich eine harte Aufgabe für die nachfolgenden Fälle gestellt. In den ersten Kapiteln springt Belsey sauber über den schmalen Grat zwischen liebenswerten Schelm und korrupten Polizisten. In der Krimiliteratur gibt es viele Helden, die Außenseiter sind. Bei Harris beginnt Belseys Karriere bereits am unteren Ende der Anti-Helden Rolle. Interessant wird es sein zu sehen, wohin Harris die Figur des Nick Belsey in der Krimireihe hinführen wird. Die Stärken des Auftakts der Reihe liegen ganz klar im Plot, dem massiven Ausnutzen des Lokalkolorits und die aktuelle Thematik. London killing ist als urbaner Thriller ein gelungener Auftakt. Den Erfolg der Serie wird jedoch ausmachen, ob es Harris gelingt seinen Figuren noch mehr Tiefe und Ecken und Kanten zu verleihen.

Oliver Harris wurde 1978 in London geboren. Er hat am University College of London Englische Literatur studiert und an der University of East Anglia Creative Writing. Momentan schreibt er an seiner Doktorarbeit über Psychoanalyse und Griechische Mythologie. Bisher hat er verschiedene wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht, unter anderem über Obszönität und Verschwörungstheorien. Er reist sehr gerne, vor allem an kalte Orte. London killing ist sein erster Roman.

London killing von Oliver Harris ist bei Blessing erschienen.
(JK 05/12)

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