Von Haruki Murakamis
Mammutwerk 1Q84 ist nun auch das Buch 3 bei Dumont erschienen.
Als Tengo seinen
komatösen Vater im Krankenhaus besuchen will, findet er in dessen Krankenbett
eine Puppe aus Luft vor, die ein Abbild Aomames als junges Mädchen in sich
birgt. Er greift nach ihrer Hand, und eine unsichtbare Verbindung entsteht.
Fortan wartet Tengo darauf, der Puppe nochmals zu begegnen, doch vergebens. War
das Signal nicht stark genug, um die zwischen Leben und Tod schwankende Aomame
zu retten? Unterdessen setzt die gefährliche Sekte alles daran, um den Mord an
ihrem Leader aufzuklären. Aomames Spur wird von einem so unheimlichen wie
unangenehmen Agenten aufgenommen. Er ermittelt mit tödlicher Präzision, doch
schließlich bringt er mehr in Erfahrung, als gut für ihn ist.
Für Quereinsteiger bietet
der Abschlussband 1Q84 eine willkommene Schilderung der Vorkommnisse aus
den beiden Vorgängerbüchern, die den schon kundigen Leser natürlich auf die
Folter spannen. Das dritte Buch bringt denn auch endlich die beiden Helden
Tengo und Aomame zusammen. Insgesamt lässt das Buch den Leser jedoch etwas vernachlässigt zurück. Die spannende Mischung
aus Fantasy und Thriller aus dem ersten Buch kann Murakami leider nicht halten.
Indem Murakami bemüht ist die Geschichte
abzuschließen, geht ihm das bisherige Tempo verloren. Am Interessantesten
bleibt da die schillernde, abstoßende Figur des Detektivs, der die Mordumstände
klären soll. Die Liebesgeschichte von Tengo und Aomame wirkt dagegen nicht
ausgereift. Murakami geht es um drei große Themen: die Wirklichkeit, die
Fantasie und die japanische Gesellschaft. Doch gerade hier stellt sich die
Frage nach der interkulturellen Übertragbarkeit von Murakamis 1Q84.
Manche Dinge erschließen sich nicht automatisch, manche Dinge bleiben
nicht erklärt oder laufen ins Nichts.
Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto, Japan geboren
und wuchs in Kobe auf. Nach abgeschlossenem Studium verließ er 1975 die
Waseda-Universität in Tokio, wo er anschließend sieben Jahre lang Eigentümer
einer kleinen Jazz-Bar war. Sein erster Roman brachte ihm 1979 den Gunzou-Förderpreis
ein. Von 1991 an lebten Murakami und
seine Ehefrau vier Jahre lang in den USA, wo er in Princeton lehrte und den
Roman Mister Aufziehvogel verfasste, für den er den
Yomiuri-Literaturpreis erhielt. Nach dem Erdbeben von Hanshin und dem Gas-Attentat
auf die Tokioter U-Bahn von 1995 kehrte Murakami nach Japan zurück, wo er
zunächst Opfer des Attentats und schließlich auch Mitglieder der
Aum-Shinrikyo-Sekte interviewte. Zu den Preisen, die Murakami in jüngerer Zeit
erhielt, gehören 2006 der Frank O’Connor Internationale
Kurzgeschichtenpreis, der
Franz-Kafka-Preis und der Asahi-Preis. Zudem hat Murakami Werke diverser
amerikanischer Autoren ins Japanische übertragen, darunter Bücher von F. Scott
Fitzgerald, Raymond Carver, John Irving und Raymond Chandler. Seine eigenen
Werke wurden bislang in mehr als vierzig Sprachen übersetzt.
1Q84 Buch 3 von Haruki
Murakami ist bei Dumont erschienen.
(JK 03/12)

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