Im neuen Krimi Der
Schwanz der Schlange des kubanischen Autors Leonardo Padura ist sein
Kommissar Mario Conde unterwegs in Havannas Chinatown. Das Buch ist im
Unionsverlag erschienen.
Ein außergewöhnlicher Mordfall führt Mario Conde in
die geheimnisvolle Welt von Havannas Barrio Chino. Ein alter Chinese baumelt
tot in seinem Kämmerchen, mit zwei in die Haut geritzten Pfeilen und einem
abgeschnittenen kleinen Finger. Ein religiöser Ritualmord mit
Santería-Hintergrund? Oder steckt doch eine interne Abrechnung dahinter? Da
Teniente Conde seiner attraktiven chinesisch stämmigen Kollegin, der
unwiderstehlichen Patricia Chion, nichts abschlagen kann, kümmert er sich
selbst um diesen Fall. In den geheimen Zirkeln der chinesischen Gemeinde stößt
Mario Conde auf mysteriöse Zusammenhänge und obskure Machenschaften und immer
wieder auf Geschichten von Entwurzelung und Einsamkeit.
Der Schwanz
der Schlange ist Paduras
siebter Fall für Teniente Conde und hatte ihn bereits 1998 geschrieben. Zur
Überraschung der Fans und Leser der Reihe ist die Geschichte in einem für
Außenstehende unbekannten Milieu Havannas angesiedelt. Im Roman unterstreicht Padura
noch einmal die Menschlichkeit seines Protagonisten, der am Lebens selbst aber
auch hinsichtlich seiner unglücklichen Liebe müde ist. Gefühle und Empfindungen
mit kubanischem Rum gemischt entwickeln ihre Eigendynamik im Innenleben des
Mario Conde. Das könnte man fast als stellvertretend für das Land sehen. Condes
persönliche Überlebensstrategie ist eng mit der Melancholie und Nostalgie der
Vergangenheit verbunden. Leonardo Padura benutzt diese Figur als
Projektionsfläche für die Situation in Kuba und ist dennoch keine Anklage, was
zu erwarten wäre. So wie Teniente Mario Conde die Fälle subtil und mit Witz
löst, so mag man das dann auch wieder übertragen auf das Land selber.
Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, schloss
1980 ein Lateinamerikanistik-Studium in Havanna ab und schrieb zunächst für
verschiedene kubanische Zeitschriften. Bald gehörten seine Reportagen zu den
meistgelesenen in Kuba. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Romane,
Erzählbände, literaturwissenschaftliche Studien sowie Reportagen und
Interviews. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus Das Havanna-Quartett. Neben vielen
anderen Auszeichnungen erhielt er den Premio Café de Gijón sowie dreimal den
spanischen Premio Hammett. 2009 wurde er für sein Gesamtwerk mit dem Premio
Raymond Chandler, dem wichtigsten italienischen Noir-Preis, geehrt. Leonardo
Padura lebt in Havanna.
Der Schwanz der Schlange von Leonardo Padura ist im Unionsverlag erschienen.
(JK 04/12)

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