Nina Bußmann: Große Ferien (Suhrkamp)


Nina Bußmann wirft in ihrem Debütroman Große Ferien, der bei Suhrkamp erschienen ist, die Frage auf, wer ist Opfer und wer ist tatsächlich Täter.

Bereits seit Monaten unterrichtet Schramm nicht mehr; etwas soll vorgefallen sein zwischen ihm und einem Schüler. Die Kollegen haben es schon immer gewusst, hinter seinem Rücken zerrissen sie sich über ihn, der immer korrekt war, die Mäuler. Und in der Tat, Schramm war porös geworden über die Zeit mit dem Jungen, der ihm in seiner Radikalität gegen sich selbst so ähnlich schien, und plötzlich hörte Schramm ein „wir“ und war wie verzaubert, vollkommen ungeschützt in einem Moment, und dann…

Zeit hat er jetzt genug, sollte man meinen, aber die Sache ist längst nicht ausgestanden. Und so wendet Schramm sich widerwillig an den einzigen Menschen, den er noch hat, seinen Bruder. Vielleicht kann dieser ihm helfen herauszufinden, wie eins zum andern kam, wer hier wen in der Hand hatte, wie die Dinge sich so gegen Schramm verschwören konnten.

Eine Ohrfeige ist der Auslöser für das Scheitern des verschrobenen Physiklehrers. Nach und nach entblättert die Autorin nüchtern die Situation um diese Entgleisung und legt das Leben des Lehrers dar, ohne zu konkret zu sein und dem Leser ein fertiges Bild an die Hand zu geben. Der Leser wird letztendlich immer im Zweifel, im Ungefähren gehalten.

Nina Bußmann, geboren 1980 in Frankfurt am Main, lebt in Berlin. Sie studierte Komparatistik und Philosophie in Berlin und Warschau. Von ihr gibt es zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Beim Ingeborg Bachmann-Preis 2011 erhielt sie für einen Auszug aus ihrem Debütroman Große Ferien den 3sat-Preis.

Große Ferien  von Nina Bußmann ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 06/12)

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