Mit dem Roman Henry
haut ab, erschienen bei Goldmann, ist Tom Sharpes Kultfigur Henry Wilt
wieder zurück auf der literarischen Bühne.
Henry Wilt hat es
gründlich satt: Sein Dasein als Berufsschullehrer langweilt ihn zu Tode, und
seine liebe Familie nervt ihn unaufhörlich. Da wären seine herrische Gattin Eva
und seine vier schwer- bis unerziehbaren Töchter, die zurzeit auf einem
sündteuren Internat dem Lehrkörper das Leben schwer machen. Dabei reicht das
Geld dafür vorn und hinten nicht.
Als Eva die schwerreiche
Lady Gadsley kennenlernt, hat sie eine brillante Idee. Diese hat nämlich nicht
nur einen Landsitz, sondern auch einen Sohn, der dringend Nachhilfe benötigt.
Kurzerhand verdonnert Eva Henry dazu, diesen kleinen Nebenjob zu übernehmen –
und handelt dabei auch gleich noch einen Gratis-Aufenthalt für die Familie auf
dem herrschaftlichen Anwesen aus. Ein brillanter Plan, nur leider weit davon
entfernt, perfekt zu sein, wie sich schon bald herausstellt.
Der Monty
Python-Darsteller Eric Idle sagte einmal, dass Comedy ein Genre für junge
Künstler sei. Sie kommen mit frischem unverbrauchtem Elan und sehen die Welt
mit anderen Augen. Gott sei Dank bestätigen Ausnahmen die Regel, wie dies Tom
Sharpe beweist, der im Alter von 82 Jahren diese neue Henry Wilt-Komödie
geschrieben hat. Er hat seine Kultfigur Henry Wilt für das 21. Jahrhundert
erfolgreich recycelt. Wilts Sorgen haben sich seit 1976 nicht verändert. Frauen
sind immer noch schreckliche und erschreckende Dinge, der Begriff „nymphoman“
wird als ernste Krankheit bezeichnet, der Gedanke sich in Gegenwart des
Pfarrers zu blamieren, geistert nach wie vor als Schreckgespenst in den Köpfen,
und der englische Landadel spielt eine wichtige Rolle. Das Besondere an Tom
Sharpes Buch ist, dass aus heutiger Sicht eigentlich so gut wie alles an dieser
Komödie falsch orchestriert ist und genau das ist jedoch gerade das
Authentische und macht den Charme des Buches aus. Ein Bild Englands wird
gezeichnet, das man heutzutage wohl kaum mehr vorfinden wird und so kommt
Nostalgie auf beim Lesen.
Tom Sharpe, Jahrgang
1928, zählt spätestens seit dem sensationellen Erfolg seines Romans Puppenmord
zu den erfolgreichsten Autoren Englands. Seine Romane sind mittlerweile
Klassiker. In England geboren, studierte Tom Sharpe in Cambridge und arbeitete
als Buchhalter, Sozialarbeiter und Fotograf in Südafrika. Heute lebt er in
Cambridge und Spanien.
Henry haut ab von Tom
Sharpe ist bei Goldmann erschienen.
(JK 05/12)

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