Lesung & Gespräch mit Harald Martenstein, Björn Kern und Benjamin Maack am Samstag, 4. Mai, auf dem Evangelischen Kirchentag 2013


YACHTclub im Kirchentag 2013
Ehemaliges Hauptzollamt Hamburg
Samstag, 04.05.2013  20.00 Uhr
Alter Wandrahm 19-20, 20457 Hamburg


Lesung & Gespräch mit Harald Martenstein, Björn Kern und Benjamin Maack. Soviel du brauchst: WELT. Wie kollidiert der rasante gesellschaftliche Wandel mit unseren seelischen Bedürfnissen? Haben wir letztere noch im Blick?

Friederike Moldenhauer und Tina Uebel, vormals Machtclub, heute Yachtclub, haben sich Schriftsteller eingeladen, deren Bücher die vielgestaltige Frage danach thematisieren, wie viel wir – als Individuen und als Gesellschaft – „brauchen“, im ethischen, moralischen, sozialen, ökonomischen Sinne.

Harald Martenstein spricht über seine Polemik Terror der Tugend. Der Journalist Harald Martenstein vertritt die These, dass der Glaube an das aufgezwungene Gute mit der Hilfe von Gesetzen, Verordnungen und Überwachung durch die modernen Medien einen Terror der Tugend erschafft. Jede Gesellschaft hat Normen, Vorstellungen von Moral, Ideen von Gut und Böse. Gleichzeitig hat es laut Harald Martenstein noch nie eine Gesellschaft gegeben, in der sich alle ständig an diese Normen gehalten hätten.

2012 zeigte das ZDF den Fernsehfilm Komm, schöner Tod, eine Verfilmung des Romans Die Erlöser AG des Autors Björn Kern, der bei C.H. Beck erschienen ist. Berlin in nächster Zukunft: Auf der Bundespressekonferenz bricht Tumult aus, Paragraph 216 ist abgeschafft: Tötung auf Verlangen bleibt fortan ungestraft! Hier treffen auch Paul Kungebein, ambitionierter Jungredakteur, und Hendrik Miller, Oberarzt an der Charité, aufeinander. Gemeinsam gründen sie eine Agentur, die den Dementen aus Berlins Altenghetto einen sanften Tod ermöglicht – durch aktive Sterbehilfe. Erste Patientin ist die anrührend gezeichnete, fast hundertjährige Elsa Lindström. Bei Weißwein und Lachs rühmen sich Miller und Kungebein ihrer humanitären Taten. Daheim versorgt Kungebein liebevoll seinen umnachteten Vater Victor. Hendrik Miller hingegen denkt bereits weiter: Auch solche Kranke, die einen Sterbewunsch nicht mehr artikulieren können, möchte der Arzt erlöse...

In seinem brillant geschriebenen und grotesk komischen Roman entwirft Björn Kern ein Szenario zwischen Liebe und Leid, dem man sich nicht entziehen kann – spannend, voller suggestiver Bilder, die den Leser nicht loslassen, und mit einem überraschenden Ende. Ein hochaktueller Roman, der niemanden kalt lässt.

Nach seinem vielgelobten Prosadebüt Die Welt ist ein Parkplatz und endet vor Disneyland erzählt Benjamin Maack in seinem Textband Monster von Dingen, hinter denen mehr steckt, als an der Oberfläche erkennbar ist: Einsamkeit und Sex und Mitleid,den Menschen als Tier. Ein Chemielaborant, der in einem überalterten Dorf im Harz nach der Liebe sucht – und eine Eule findet. Ein Manager, der als ein guter Erwachsener in Hotelzimmern liegt und von den Sünden seiner Jugend heimgesucht wird. Ein Housesitter, der ein Sofa versaut, einen Baum tötet und eine Minderjährige verführt. Sie alle heißen Benjamin. Sie alle irren umher. Durch Wälder und Tierparks, über Familienfeiern und Vorortstraßen.

(JK 05/13)

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