Literaturhaus
Dienstag,
18.06.2013
19.30
Uhr
Schwanenwik
38, 22087 Hamburg
Eintritt:
6 – 10 Euro
Nuruddin
Farah liest aus seinem neuen Roman Gekapert,
der bei Suhrkamp erschienen ist und spricht darüber mit Ilija Trojanow.
„In
Somalia hast du die Wahl, entweder ein Buch zu kaufen, oder ein Gewehr, um
deine Familie zu schützen. Ich würde auch zuerst eine Waffe kaufen.”
In Gekapert, seinem neuen, erschütternden
Roman, kehrt Nurrudin Farah, der „bedeutendste afrikanische Romancier” (The
New York Review of Books), zurück zu seinem Helden Jeebleh, der bereits in Links, dem ersten Teil der Trilogie über Somalia, im Zentrum des Geschehens
stand. Seit Jahrzehnten lebt Jebleeh in den USA, nun versucht er erneut, sich
in Somalia, der einstigen Heimat, zurechtzufinden. Doch das Land bleibt ihm
fremd. Zwar scheint seit seinem letzten Besuch in Mogadischu etwas Ruhe
eingekehrt, doch diese ist trügerisch. Peitschentragende, brutale Kerle in
weißen Gewändern – Angehörige der islamistischen Al-Shabaab-Organisation – sind
omnipräsent und streben nach der Macht. Die Innenstadt Mogadischus ist
zerstört, die Kultur liegt am Boden: „Kein Schmerz ist größer, als jener, den
man nicht zur Gänze beschreiben kann, denkt er.” An Jeeblehs Seite ist sein
Schwiegersohn Malik,ein Journalist, der über den erstarkenden Islamismus im
krisengebeutelten Land schreiben will. Zur gleichen Zeit sucht Maliks Bruder
Ahl nach seinem Sohn, den er in Puntland vermutet, wo sich die somalischen
Piraten verschanzt halten. Unversehens geraten die Brüder immer tiefer in einen
chaotischen Bürgerkrieg.
Der 1945
geborene Nuruddin Farah, der vielfach preisgekrönte Autor aus Somalia, dessen
Werke in 17 Sprachen übersetzt werden, schreibt auf Englisch und hat es sich
zur Aufgabe gemacht, sein „Land am Leben zu erhalten”, indem er darüber
schreibt: „Seine Waffe ist das geschriebene Wort” („druckfrisch”). Seit 1976
lebt Farah, der vom Regime Siad Barre in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde,
in Kapstadt im Exil. Er lehrt an der University of Minnesota. Im Literaturhaus
stellt er seinen glänzend erzählten Roman im Gespräch mit seinem Freund, dem
Publizisten und „Weltensammler” Ilija Trojanow vor. Beide waren bereits 2005
mit Links am Schwanenwik zu Gast.
Gekapert von Nuruddin
Farah ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 06/13)

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