Ayad Akhtar: Himmelssucher (Carl’s Books)

Der Roman Himmelssucher von Ayad Akhtar, erschienen bei Carl’s Books, ist eine Geschichte von Verblendung, Schuld und der Hoffnung auf Versöhnung.

Milwaukee, Ende der siebziger Jahre: Hayat ist zehn Jahre alt, als Mina, die Jugendfreundin seiner Mutter, aus Pakistan nach Amerika kommt. Zwischen der schönen wie klugen Frau und dem verschlossenen Jungen entsteht eine innige Beziehung. Mina ist ihrem neuen Leben gegenüber aufgeschlossen, fühlt sich ihrer Kultur und ihrem Glauben aber weiter eng verbunden. So ist sie es auch, die Hayat mit dem Koran vertraut macht. Doch niemand, am allerwenigsten Mina selbst, ahnt, welch tiefgreifenden Einfluss dies auf den Teenager hat. Als Mina sich in Nathan Wolfsohn verliebt, sieht Hayat seine Welt und alles, was ihm wichtig scheint, bedroht. Aus Eifersucht und Angst begeht er einen ungeheuerlichen Verrat. Zu spät begreift er, welche Katastrophe er damit über diejenigen heraufbeschwört, die er am meisten liebt.

Um den Debüt-Roman von Ayad Akhtar zu verorten, sollte man zwei Dinge berücksichtigen. Zuerst, der Autor entstammt aus der ersten pakistanisch-amerikanischen Generation  seiner Familie und laut Akhtar war es ihm eine Herzensangelegenheit einen Roman zu schreiben, bei dem insbesondere das amerikanische Publikum eine fühlbare Vorstellung erhält, was es bedeutet, als Muslim in Amerika aufzuwachsen. Zweitens, der Autor studierte Theater und Regie an der Brown University und der Columbia University. Er ist Theaterdramatiker mit Verankerung im Kino und somit geeicht auf Dramen und große Gesten.

Akhtar öffnet in seinem Roman eine Tür zu lang gehüteten Geheimnissen, über  religiöse Ekstase und aus Übereifer entstehende Katastrophen, über den Missbrauch fehlgeleiteter religiöser Doktrinen und den bitteren Folgen von Vorurteilen jeglicher Art. Liebe kann dies alles nicht immer überwinden und diejenigen, die sich als weise Männer ausgeben, sind oftmals nicht das, was sie scheinen sondern unerbittliche Tyrannen. Es gibt keine Gerechtigkeit, wenn diese das persönliche Eigeninteresse berührt.

Mit diesem bewegenden Familiendrama ist Ayad Akhtar ein überaus beeindruckender Debütroman gelungen. Klar und einfühlsam zeichnet er seine Figuren, ihre innere Zerrissenheit, ihre Sehnsüchte und Enttäuschungen. Er erzählt von Verblendung und Schuld, ohne zu verurteilen – und von der Hoffnung, dass Versöhnung möglich ist. Ayad Akhtar hat genau das erreicht, was er sich vorgenommen hatte: den Lesern einen gefühlten Eindruck der Verwirrung, brodelnden Schmerzen und dennoch gelegentliche tiefe Schönheit einer amerikanisch-muslimischen Kindheit zu geben.

Ayad Akhtar wurde am 28. Oktober 1970 in Staten Island, New York geboren als Sohn pakistanischer Eltern. Nachdem er den Großteil seiner Kindheit in Milwaukee, Wisconsin, verbrachte, studierte er Theater an der Brown University. Nach dem Abschluss zog er nach Italien und studierte Schauspiel. Er kehrte dann in die USA zurück, gab Schauspielunterricht und studierte Regie an der Columbia University. Während seiner Zeit an der Columbia University hatten er  und zwei Kommilitonen die Idee zu The War Within, einem Film über einen gewöhnlichen Menschen, der radikalisiert zum Terrorist wird. Akhtar spielte auch selbst in dem Film mit. Er schreibt ebenfalls für die Bühne und arbeitet bereits an seinem zweiten Roman.

Himmelssucher von Ayad Akhtar ist bei Carl’s Books erschienen.
(JK 12/12)

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