In seinem Debütroman Wir sind die Könige von Colorado, der bei rororo erschienen ist, liefert David E. Hilton
einen ernüchternden Roman über die prägenden Erlebnisse eines Jungen in einer Besserungsanstalt,
in der er über zwei Jahre lang ein brutales Reglement durchlebt.
Bei dem Versuch seine
Mutter vor den Übergriffen seines Vaters zu schützen, verletzt Will seinen Vater
mit dem Messer. Während der Vater
überlebt, wird Will, eigentlich noch ein Kind, zu einem zweijährigen
Zwangsaufenthalt auf einer abgelegenen Erziehungsranch hoch in den Bergen von
Colorado verurteilt. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen muss er dort wilde
Pferde zähmen. Die Arbeit ist hart, und schon bald muss Will erfahren, dass auf
dieser Ranch nicht nur der Wille von Tieren gebrochen werden soll. Doch er
findet auch Freunde: Coop, Benny und Mickey, die eine verschworene Gemeinschaft
bilden. Während die Jungen der Willkür der sadistischen Aufseher und eines
hinterhältigen Mitgefangenen ausgesetzt sind, machen sie sich immer wieder
gegenseitig Mut: „Scheiß auf die Welt da draußen. Hier drinnen sind wir Könige.
Wir sind die Könige von Colorado.“ Als eines Tages Pferde ausbrechen, soll ein
Trupp von Gefangenen und Wärtern die Tiere wieder einfangen. Auch Will und
seine Freunde nehmen an dieser Expedition teil, bei der es für die Jungen schon
bald ums nackte Überleben geht.
David E. Hiltons Roman
enthält Anspielungen an zwei Filme, die erfolgreich verfilmt wurden. Die Zeit,
die Dialoge und die Kameradschaft der rauen Jungs erinnern an Das Geheimnis
eines Sommers (Stand by Me). Die Hackordnung und Heldenverehrung im Spiegel
der Gewalt der grausamen Wachleute erinnern an Der Unbeugsame (Cool Hand
Luke). Die sensible Beschreibung der Pferde, wie die Jungen mit den Tieren umgehen
und der wechselnden Beziehungen untereinander machen die Stärke des Buchs aus.
Es gibt sogar Pferde, für die der Leser mehr Mitleid empfindet als für so
manche menschliche Figur der Handlung. Es sind denn auch Die Pferde und die
Einbettung in die Szenerie der Rocky Mountains, die das Buch hervorheben. Der
Roman bekommt seinen eigenen Stempel durch die Mischung des alltäglichen
Terrors mit dem Ausdruck brüderlicher Gefühle, die Will und seine Freunde für
einander und ihre Pferde entwickeln. Das unausweichliche Gemetzel zum Ende hin,
legt der Autor auf eine Ebene, die sich an Quentin Tarantino oder Cormac
McCarthy anlehnt. Wir sind die Könige von Colorado ist ein überraschend inspirierendes
und erstaunlich selbstbewusst komponiertes Debüt.
David E. Hilton (Jahrgang
1974) hat zahlreiche Kurzgeschichten verfasst, bevor er mit Wir sind die
Könige von Colorado debütierte. Als Junge ist er oft mit seinen Eltern zum
Skifahren in den Bergen gewesen. Auf dem Weg dorthin kam die Familie stets an
einem verwitterten Schild mit der Aufschrift „Erziehungsanstalt“ vorbei. Die
Frage, wie diese Anstalt wohl ausgesehen und was sich dort ereignet haben mag,
hat David E. Hilton mit seinem ersten Roman beantwortet. Heute lebt der Autor
mit seiner Familie in der Nähe von Austin, Texas.
Wir sind die Könige von Colorado von David E. Hilton ist bei rororo erschienen.
(JK 10/12)

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