Mit seinem Roman Am
Abend des Mordes läutet der schwedische
Krimiautor Håkan Nesser das große Finale seiner Serie um den Inspektor Barbarotti.
Wird Barbarotti
kaltgestellt? Aufs Abstellgleis befördert? Nach einem persönlichen
Schicksalsschlag mit privaten Problemen beschäftigt, erhält er von seinem
Vorgesetzten die Anweisung, sich mit dem Fall eines fünf Jahre zuvor spurlos
verschwundenen Elektrikers zu beschäftigen, als er wieder seinen Dienst
antritt. Nicht nur Kollegin Backman fragt sich, ob es sich hierbei nicht nur um
eine Form von Beschäftigungstherapie für einen trauernden und labilen Kollegen
handelt. Und zunächst sieht es auch ganz so aus, als sei Barbarotti nun zum
Spezialisten für sogenannte „kalte Fälle“ geworden, denen man nur routinemäßig
nachgeht. Zum Zeitpunkt seines Verschwindens lebte besagter Elektriker nämlich
mit einer Frau zusammen, die bereits einmal einen Mord begangen und dafür elf
Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Doch ohne Leiche keine Mörderin. Beweisen
konnte man ihr in diesem Fall nichts. Gunnar Barbarotti tut das, was er am
besten kann: Er ermittelt. Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen setzt er
zusammen, und als er schließlich begreift, was gespielt wird, hat das
weitreichende Konsequenzen...
Mit dem fünften Band der
Serie heißt es Abschied nehmen von Gunnar Barbarotti. Nessers Serie zeichnet
aus, dass man sich als Leser wie unter alten Bekannten fühlt. Allerdings muss
man zugeben, dass mit jedem Band immer mehr Tempo herausgenommen wurde und
Barbarottis Ruhestand fast schon zwangsläufig erscheint. In der Barbarotti-Serie
ging es auch um existentielle Fragen über Glauben und Zweifel, für das Barbarotti
ein ausgeklügeltes Punktesystem erdacht hatte. In diesem Band hat er es
abgelegt, ein weiteres Indiz des Abschieds. Anders als in den vorhergehenden
Bänden ist hier die Handlung vorhersehbar. Männer, die Frauen hassen, ist als
Thema nicht gerade originell. Doch Gunnar Barbarotti ist ein sehr sympathischer
Charakter und es war ein Vergnügen, ihn über fünf Bände kennengelernt zu haben.
Håkan Nesser, geboren
1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens.
Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren erhielt er zahlreiche
Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich
verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und
atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia
Highsmith erinnern. Kim Novak badete nie im See von Genezareth oder Und
Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla gelten inzwischen als Klassiker in
Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als
großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau
derzeit in London und auf Gotland.
Am Abend des Mordes von Håkan Nesser ist bei btb erschienen.
(JK 11/12)

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