Neuseeland,
Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse 2012
Janet Frames erster Roman Wenn Eulen schreien von 1957, der ihren literarischen Ruhm
begründete und von den Heimsuchungen einer neuseeländischen
Eisenbahnarbeiter-Familie erzählt, wird nach dem großen Erfolg ihres
nachgelassenen Romans Dem neuen Sommer
entgegen vom Verlag C.H. Beck in einer überarbeiteten Übersetzung neu
vorgelegt.
Die Familie des Eisenbahners Bob Withers in der
Kleinstadt Waimaru wird von Unglück und Krankheit geplagt: Eine Tochter,
Francie, stirbt durch einen tragischen Unfall, eine andere, Daphne, erkrankt
psychisch so schwer, dass sie in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss, ihr
Bruder Toby hat epileptische Anfälle. Hinter dem Drama der Familie werden aber
auch gesellschaftliche Konflikte sichtbar: Kann man im ganz anders gearteten
Kosmos Neuseelands einfach die Werte und Bildungsstandards des weißen Europa
vermitteln, ohne Rücksicht auf die angestammte Kultur? Wenn Eulen schreien ist Janet Frames erster Roman von 1957, der
ihren literarischen Ruhm begründete.
Janet Frame wurde 1924 als drittes von fünf Kindern
eines Eisenbahnarbeiters in Dunedin, Neuseeland, geboren, wo sie 2004 auch
starb. Die Familienverhältnisse waren zum Teil tragisch, sie selbst wurde zu
Unrecht als Schizophrene über Jahre in Nervenheilanstalten behandelt, u. a. mit
Elektroschocks. Janet Frame ist Autorin von zwölf Romanen sowie fünf
Erzählungsbänden. Sie veröffentlichte Gedichte und ein Kinderbuch. Ihre
Autobiographie Ein Engel an meiner Tafel,
die von Jane Campion verfilmt wurde, gehört zu den bedeutendsten Beispielen für
dieses Genre im 20. Jahrhundert. Janet Frame zählte zu Lebzeiten zu den
Anwärterinnen für den Literaturnobelpreis.
Wenn Eulen schreien von Janet Frame ist bei Beck erschienen.
(JK 09/12)

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