Von der norwegischen Autorin Kari Brænne ist bei Rowohlt Polaris ihr zweiter Roman Der Wald wirft schwarze Schatten
erschienen, in dem tief in den Wäldern der Hedmark ein grausames Verbrechen
begraben liegt.
Ein Verbrechen hat sich in einer Hütte im dichten
Wald der Hedmark ereignet. Eine ganze Familie wird auseinandergerissen.
Jahrzehnte später ruft die alte Matriarchin Evelyn alle wieder zusammen. Vor
ihrem Tod, an ihrem fünfundachtzigsten Geburtstag, müsse sie ihnen unbedingt
etwas Wichtiges mitteilen. Mit unguten Vorahnungen reist Wilhelm aus den USA
an. Seit mehr als dreißig Jahren hat er seine Mutter nicht mehr gesehen. Auch
der Schauspieler Robert erhält von der merkwürdigen alten Dame eine Einladung,
zusammen mit einer rätselhaften Karte und einem Schlüssel. Am Ende finden sie
sich wieder dort ein, wo das Übel seinen Ursprung genommen hat, dort, wo der Wald
schwarze Schatten wirft. Und sie blicken in den Abgrund ihrer Vergangenheit.
Kari Brænne hat einen schrecklich guten Roman
geschrieben, der direkt auf die Magengrube des Lesers zielt und noch lange
nachwirkt. Der Roman spielt mit den Emotionen des Lesers, mit Sympathie und
Mitgefühl, Ekel und Wut. Tück für Stück wird die Vergangenheit enthüllt. Vieles
ist dabei überraschend. Die vier Hauptfiguren wurden von der Autorin mit großem
psychologischen Einfühlungsvermögen porträtiert. Der Wechsel zwischen den verschiedenen
erzählerischen Stimmen sind gut umgesetzt und der Leser wird sehr vertraut mit
den vier Hauptfiguren Wilhelm, Robert, Lukas und Evelyn. Kari Brænne verfällt
auch nicht der Versuchung, die Handlung überzudramatisieren. Die Sprache ist zurückhaltend,
mit leiser Stimme und kein Wort scheint überflüssig. Das trägt ungemein dazu
bei, diesen starken Eindurck vom Buch auch nach dem Lesen nachhallen zu lassen.
Kari Brænne wurde 1966 in Oslo geboren. Sie
studierte Kunst an der Staatlichen Norwegischen Kunstakademie sowie in Italien
und an der New York Academy of Art, wofür sie ein Stipendium der Andy Warhol
Foundation für visuelle Kunst erhielt. Zunächst arbeitete sie als bildende
Künstlerin, bevor sie 2002 begann, Theaterstücke zu schreiben. 2007 debütierte
sie schließlich als Buchautorin.
Der Wald wirft schwarze Schatten von Kari Brænne ist bei Rowohlt Polaris erschienen.
(JK 07/12)

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