Katherine Mansfield: Sämtliche Erzählungen (Diogenes)

Neuseeland, Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse 2012

Katherine Mansfield wird oft in einem Atemzug mit englischen Schriftstellern wie Thomas Hardy, Virginia Woolf oder T. S. Eliot genannt. Geboren wurde sie jedoch 1888 in Wellington, Neuseeland. 1903 verlässt sie ihre Heimat und geht nach London, taucht ein ins Treiben der literarischen Bohème. Sie hat Beziehungen zu Männern und Frauen; nach einer Fehlgeburt und dem Scheitern einer Ehe stirbt sie, erst 34 Jahre alt, in Fontainebleau an Tuberkulose. Schon zu Lebzeiten sorgte sie für Aufsehen: durch ihren Lebensstil, vor allem aber durch ihre einmalige Erzählkunst. Sie ist als Meisterin der Short Story in die Literaturgeschichte eingegangen. Beneidet von ihrer Zeitgenossin Virginia Woolf, war sie Vorbild großer Autoren wie F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway. Noch im Alltäglichsten offenbart Katherine Mansfield in einer hochverdichteten Sprache das Drama der menschlichen Existenz und erinnert darin an einen anderen bedeutenden und von ihr verehrten Erzähler: Anton Čechov.

„Am Ende ist die Wahrheit das Einzige, das wert ist, dass man es besitzt: Sie ist aufwühlender als Liebe, freudvoller und leidenschaftlicher. Sie kann einfach nicht versagen“, schreibt Katherine Mansfield. Meist sind es schmerzliche Einsichten, die Mansfield mit sanfter Komik vermittelt, immer aber schreibt sie „aus der Mitte ihrer Figuren – ein magischer Vorgang von verzehrender Intensität“, urteilt die FAZ.

Bei Diogenes ist pünktlich zur Buchmesse eine Gesamtausgabe der Erzählungen in zwei Bänden von Katherine Mansfield unter dem Titel Sämtliche Erzählungen erschienen. Diese Ausgabe versammelt 74 Erzählungen der Neuseeländerin, angefangen bei den frühen satirisch-scharfen Porträts, die auf Mansfields eigenen bitteren Erlebnissen in einem deutschen Kurort basieren, bis hin zu den berühmten, in Neuseeland und England angesiedelten Charakter- und Genrestudien wie Glück, An der Bucht, Das Gartenfest oder Der Kanarienvogel.

Katherine Mansfield selbst schrieb über sich: „Ich möchte so leben, dass ich sowohl mit den Händen als auch mit dem Gefühl und dem Verstand arbeite. Ich wünsche mir einen Garten, ein kleines Haus, eine Wiese, Tiere, Bücher, Bilder, Musik. Und aus alldem heraus, als Ausdruck davon, möchte ich schreiben. Aber warmes, volles, lebendiges Leben – im Leben verwurzelt sein –, lernen, wissen wollen, fühlen, denken, handeln. Das ist es, was ich mir wünsche. Und nichts weniger. Danach muss ich streben.“

Sämtliche Erzählungen von Katherine Mansfield ist bei Diogenes erschienen.
(JK 09/12)

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