Der Roman Anleitung
zum Guerillakrieg des brasilianischen Autors Marcelo Ferroni ist ein
gutgelaunter Agententhriller über die beiden letzten Lebensjahre Ernesto Che
Guevaras, das Debakel seiner bolivianischen Mission und gewisse allzu
menschliche Widersprüche der revolutionären Praxis – ein wunderbarer
Frontalangriff auf das romantische Bild der Politlegende. Der Roman ist bei
Suhrkamp erschienen.
Es sieht alles nicht mehr so gut aus, aber Che
Guevara hat einen Traum. Nach gescheiterten Aufstandsversuchen im Kongo will
der schwermütig verbitterte, schmerbäuchig gewordene Revolutionsführer den
politischen Kampf nach Bolivien tragen. Doch vor Ort wird das Unternehmen unter
anderem dadurch bedroht, dass vor Liebeskummer wirre Mitkämpfer geheime
Dokumente an öffentlichen Orten herumliegen lassen. Mit seinen Launen und
seinem sprunghaften Verhalten trägt Che seinerseits dazu bei, die Mitstreiter
auf Trab und in Verunsicherung zu halten. Und schließlich sind da noch die
feindlichen Agenten, die natürlich alles hintertreiben wollen.
Das Buch kommt obwohl es biographisch angelegt ist, mehr
oder weniger wie ein Actionthriller daher, mit Spionage, Kämpfen und einem
tragischen Ende. Che als Gallionsfigur einer Epoche wird weder gehuldigt noch
wird er demontiert. Die Geschichte fließt und beeindruckt.
Marcelo Ferroni, 1974 geboren, lebt mit seiner
Familie in Rio de Janeiro und arbeitet als Verleger. Anleitung zum Guerillakrieg ist sein preisgekröntes Debüt, für das
er erst seit kurzem zugängliches CIA-Archivmaterial zusammengetragen und
fiktionalisiert hat.
Anleitung zum Guerillakrieg von Marcelo Ferroni ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 11/12)

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