Norbert Zähringer: Bis zum Ende der Welt (Rowohlt)

Über die Macht des Zufalls schreibt Norbert Zähringer in seinem neuen Roman Bis zum Ende der Welt, der bei Rowohlt erschienen ist.

Die Studentin Anna aus Kiew, nach dem Tod ihrer Großmutter ohne familiären Halt, wendet sich an eine internationale Partnerschaftsagentur und lässt sich an einen älteren Deutschen vermitteln, Gerhard Laska. Auswahlkriterium für ihn: Anna hatte angegeben, dass sie sich für Sterne interessiert, und er ist Amateurastronom. Er nimmt sie mit nach Berlin in sein Reihenhaus am Stadtrand.

Bald erfährt sie, dass Laska nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Seine Frau ist tot, zu seinem Sohn hat er seit Jahren keinen Kontakt mehr. Er bietet Anna 20 000 Euro für den Fall, dass sie mit ihm nach Portugal in sein Ferienhaus reist und ihm dort bis zu seinem Tod Gesellschaft leistet. Einfach so, damit er nicht allein ist. Kann sie ihm vertrauen? Oder täuscht er seine Krankheit nur vor? Anna braucht Geld, und sie muss verschwinden, denn ihr Vater und seine Saufkumpane suchen nach ihr.

Eine junge Ukrainerin, ein alternder deutscher Amateurastronom und der Sohn des „millionsten Gastarbeiters“ sind die Hauptfiguren dieses Romans über Menschen, die – aus der Bahn geworfen – auf vorsichtige Weise zueinanderfinden. Halbseidene Gestalten, skurrile Entführungen, filmreife Fluchten kommen darin ebenso vor wie das Anrührende, Leise einer Geschichte über Vertrauen, gesuchte Nähe, Liebe.

Die große Kunst Zähringers in seinem Roman ist, dass scheinbar nicht zusammenhängende Geschichten glaubhaft zueinander finden. Er balanciert das Verhältnis zwischen zufälligen Begebenheiten und einem vorbestimmten Weg aus und versucht zu ergründen, ob etwas zufällig geschieht.

Norbert Zähringer, 1967 in Stuttgart geboren, wuchs in Wiesbaden auf. 2001 erschien sein Romandebüt So, das gefeiert wurde als „eines der komischsten, schrägsten und absurdesten Debüts der letzten Jahre“, so die  Süddeutsche Zeitung, als „unterhaltsame, souveräne, mit einem Wort: prächtige Literatur“, urteilt Die Welt. 2006 veröffentlichte er Als ich schlief, 2009 folgte sein dritter Roman Einer von vielen. Norbert Zähringer lebt mit seiner Familie in Berlin.

Bis zum Ende der Welt  von Norbert Zähringer ist bei Rowohlt erschienen.
(JK 12/12)

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