Adrian Hyland: Kaltes Feuer (Suhrkamp)

Emily Tempest ist zurück im Outback Australiens in Moonlight Downs. Adrian Hylands neuer Krimi Kaltes Feuer, erschienen bei Suhrkamp, ist ein neuer Fall für die australische Ermittlerin.

Im Outback Australiens wurde Emily Tempest geboren, als Tochter einer Aborigine und eines Weißen. Sie kennt die Welt der „Blackfellers“ und der „Whitefellers“, wie sie hier heißen, doch in keiner fühlt sie sich wirklich zuhause. Nun soll ausgerechnet sie als Hilfspolizistin zwischen diesen Welten vermitteln. Vor Jahren hatte Emily Tempest ihre Aborigine-Gemeinde verlassen, um die Welt zu sehen. Jetzt ist sie zurück im Outback – und arbeitet ausgerechnet für die Polizei. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag wird sie mit dem Tod eines alten Freundes konfrontiert. Als der Geologe Doc, ein alter Freund ihres Vaters, tot aufgefunden wird, stellt Emily gegen den Willen ihrer Vorgesetzten Nachforschungen an. Alle glauben, dass er von einem Betrunkenen erschlagen worden ist. Doch die Steinskulptur im Garten des Toten erzählt eine andere Geschichte. Und Emily geht ihr auf den Grund. Sie glaubt nämlich nicht, dass Doc das Opfer eines tödlichen Streits geworden ist, und findet bald heraus, dass er einer großen Sache auf der Spur war.

Mit der Figur der Emily Tempest will Adrian Hyland den australischen Aborigines huldigen. Er will ihre Identität den Lesern zeigen. Und so verwundert es nicht, dass der Kriminalfall eher dazu dient, die inneren Widersprüche der Menschen zu erzählen, die zwischen der westlichen und der eingeborenen Kultur stehen. Ein Paradebeispiel hat Hyland mit der Figur der Emily Tempest geschaffen. Äußerlich ist sie an das weiße Gesellschaftssystem angepasst, innerlich jedoch ist sie felsenfest mit ihrer Aborigine-Kultur verwurzelt. So fußt Emily Tempests Handeln denn auch mehr auf einer mystischen Ahnung als auf konkreten Handlungen. Folgerichtig darf man auch keinen atemraubenden Spannungsbogen erwarten. Der Krimi lebt viel mehr von dem Aufeinanderprallen zweier völlig unterschiedlicher Traditionen, wobei gerade das Dilemma der Aborigines im Mittelpunkt steht. Es gibt einerseits die Natur des Outbacks und die damit verbundene Lebensweise der Aborigines und andererseits die Verwahrlosung in den Städten. Diese Gegensätze führt der Autor vor und in dieser unterhaltsamen Mischung gibt es dann noch einen Fall zu lösen.

Adrian Hyland lebte viele Jahre im Outback und unterrichtet heute an der La Trobe University in Melbourne. Nach Outback Bastard ist Kaltes Feuer sein zweiter Roman.

Kaltes Feuer von Adrian Hyland ist bei Suhrkamp erschienen.
(JK 04/11)

Keine Kommentare: