Andrej Longo: Sarahs Mörder (Eichborn)

Nach seinem gefeierten Erzählungsband Zehn offenbart der italienische Autor Andrej Longo in seinem neuen Roman Sarahs Mörder, der bei Eichborn erschienen ist, die Allgegenwart des Verbrechens in einer der schönsten Städte der Welt: Neapel.

Acanfora, ein naiver junger Polizist, findet in einem vornehmen Stadtviertel Neapels eine Leiche: ein Mädchen, so alt wie er selbst, mit einer Wunde auf der Stirn und nackten Füßen. Bislang war er leidenschaftslos und angepasst, wollte vor allem wenig Aufsehen erregen, doch dieses Ereignis reißt ihn aus seiner Lethargie: Acanfora verbeißt sich in den Fall, er legt sich mit den Etablierten und Wohlhabenden an, er erkennt, wie sehr alles um ihn herum von kriminellen Strukturen beherrscht wird. Und am Ende, als sich die überraschende Lösung offenbart, ist für ihn nichts mehr, wie es war.

Andrej Longo erzählt auch in seinem neuen Roman Sarahs Mörder von den Bewohnern einer Stadt, in der das Verbrechen regiert. In wenigen, brütend heißen Hochsommertagen entfaltet sich die Geschichte eines Erwachens. Es ist ein atmosphärisch dichter Kriminalroman, aber viel mehr noch eine Hommage an Neapel. Er lässt ein Kaleidoskop neapolitanischer Charaktere aufmarschieren, die alle in der Stadt leben und noch mehr überleben wollen, sie alle aber auch auf unnachahmliche Weise lieben. Andrej Longo ist ein schockierendes und gleichermaßen faszinierendes Buch gelungen.

Andrej Longo wuchs in Neapel auf und arbeitete dort viele Jahre als Pizzabäcker. Heute ist er erfolgreicher Drehbuchautor in Rom, doch sein Lebensthema bleibt Neapel. Er ist Gewinner zahlreicher italienischer Literaturpreise.

Sarahs Mörder von Andrej Longo ist bei Eichborn erschienen.
(JK 06/11)

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