Von dem angolanischen Autor José Eduardo Agualusa
ist im A1-Verlag sein drittes Buch Barroco
Tropical erschienen.
Angola im Jahr 2020: Dem Schriftsteller Bartolomeu
Falcato fällt eine Frau buchstäblich vor die Füße. Allerdings nicht aus
heiterem Himmel, sondern aus einem Unwetter heraus, und es ist klar, dass sie
nicht freiwillig gestürzt ist. Bei der Toten handelt es sich um Núbia de Matos,
Model und angebliche Ex-Geliebte der Präsidentin. Nur fünf Tage zuvor hatte sie
Falcato in der Abflughalle des Flughafens angesprochen, ihn bedrängt und
pikante Details aus den Hinterzimmern der politischen Eliten erzählt. Doch
statt sich um die Aufklärung des mysteriösen Todesfalls kümmern zu können, wird
Falcato selbst zum Verfolgten. Ominöse Anrufer warnen ihn, in seine Wohnung
zurückzukehren. Und auch seine Frau darf nicht wissen, was er zur fraglichen
Zeit am fraglichen Ort zu suchen hatte, und vor allem nicht, mit wem. Was
folgt, ist eine rasante Odyssee durch den Untergrund und die Abgründe der
angolanischen Hauptstadt Luanda. 24 Stunden, in denen Falcato selbst in einen
Strudel aus skrupelloser Gewalt, Leidenschaft und Eifersucht gerät. Und dann
sind da noch die schwarzen Engel, die auf den Dächern der Hochhausruinen
tanzen, die seit dem Ölboom überall in Luanda in den Himmel ragen.
Hirngespinste? Realität gewordene afrikanische Mythen?
Agualusas Roman spielt im Angola der Zukunft nach
dem Ölboom und ist dennoch aktuell. Er beschreibt ein Land, das zwischen seinen
eingeborenen Kulturen, der kolonialen Vergangenheit und einer raffgierigen
Gegenwart laviert. Hauptpersonen sind Falcato und seine heimliche Geliebte
Kianda. In Falcato spiegelt sich die Situation der Gruppe der hellhäutigen
Nachfahren der portugiesischen Kolonisatoren in Angola, die Sängerin Kianda mit
ihren afrikanischen Wurzeln ist die Aufsteigerin. Agualusa versteht es, in
dieser Komposition die angolanische Realität einzufangen, verwirrend,
faszinierend und spannend zugleich.
Das titelgebende, ursprünglich fiktive Lied Barroco tropical wurde inzwischen von
dem portugiesischen Fado-Musiker Antonio Zambujo vertont und ist auf dessen CD Guia erschienen.
José Eduardo Agualusa, geboren 1960 in
Huambo/Angola, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Er
veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Romane, die in zahlreiche Sprachen
übersetzt wurden. 2006 gründete er den brasilianischen Verlag „Língua Geral“.
Er lebt als Schriftsteller und Journalist in Portugal, Angola und Brasilien.
(JK 05/11)

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