Ein Krimi aus der Nach-Bürgerkriegszeit aus
Nordirland, wo die Vergangenheit die Gegenwart noch nicht in Ruhe lässt, ist
das Buch Die Schatten von Belfast von
Stuart Neville, das bei Rütten & Loening erschienen ist.
Belfast heute. Docks, schmutzige Gassen,
Hinterzimmer von Pubs und Clubs – atmosphärisch dicht erzählt Stuart Neville
von einem zerrissenen Land. Ein Ex-Killer der IRA wird von den Geistern seiner
Opfer verfolgt – und muss wieder morden, um sie loszuwerden.
Gerry Fegan hat wegen zwölf Morden im Gefängnis
gesessen. Als er wieder herauskommt, hat die Welt sich verändert. In Nordirland
ist der Frieden verkündet worden. Seine einstigen Weggefährten von der IRA
haben sich mit der neuen Zeit arrangiert. Nur Gerry Fegan gelingt das nicht.
Die Geister seiner zwölf Opfer verfolgen ihn – unschuldige Männer, Frauen und
Kinder. Und sie erteilen ihm Befehle. „Wenn wir verschwinden sollen, musst du
die töten, die dir den Befehl zum Töten gegeben haben.“ Sein erstes Opfer ist
Michel McKenna, ein alter Freund, der nun Politiker geworden ist. In Belfast
bricht Unruhe aus. Wer könnte einen verdienten IRA-Mann getötet haben? Sind
gewisse Kräfte dabei, die alten Konflikte wieder aufleben zu lassen? Fegan muss
weitermorden – noch elf Geister verfolgen ihn.
Zwar sind Geister in Kriminalromanen nicht tabu aber
auf jeden Fall kein gerne gesehenes Stilmittel. Von daher überrascht Nevilles
Roman, dass diese Mischung durchaus trägt. Es sind die Rachegeister, die die
Hauptfigur zu taten treibt. Actiongeladen geht es hier zu Sache und so
verbindet der Thriller Elemente des Hardboiled Crime mit Übersinnlichem. Es ist
gerade das Unorthodoxe des Plots, der diesen Thriller hervorhebt. Er ist
spannungsgeladen und düster, die Einbettung in die zerbrechliche Wirklichkeit
Nordirlands macht ihn beängstigend.
Der Autor Stuart Neville hat sich in vielen Berufen
versucht: Er war Bäcker, Musiker, Komponist, Verkäufer und Hand-Double für
einen irischen Schauspieler.
Die Schatten von Belfast von Stuart Neville ist bei Rütten & Loening erschienen.
(JK 05/11)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen