Ein Roman über das Leben und die Zustände an der
mexikanisch-amerikanischen Grenze ist das Buch Abgesang des Königs, das bei
Fischer erschienen ist, das Debüt des mexikanischen Autors Yuri Herrera.
El Rey ist der König. Er herrscht über die Grenze
Mexikos zur USA, ihm gehören hier die Menschen, die Länder, einfach alles. Er
gibt Arbeit und Brot, er schenkt den Tod. Außer seinen Drogen gibt es nur Sand
und Hitze. Lobo ist ein Sänger, er gewinnt seine Protektion, lebt im Inneren
der Macht, bis eines Tages alles wieder zu Staub wird. Und zu Sand.
Es geht bei den Drogenkönigen zu wie am
mittelalterlichen Hofe. Wie damals die Minnesänger so halten sich die
Drogenkönige Hofsänger, die die Helden am Hofe besingen. Diese Drogenballaden
werden Narcocorridos genannt und man hört sie auf den Straßen Mexikos. Der
Sänger Lobo im Buch ist so einer, der seinen König als Herrscher und Wohltäter
unreflektiert besingt. Man erfährt viel vom Leben am Hofe eines Drogenkönigs
und staunt nicht schlecht. Doch Lobo entdeckt Bücher und das Lesen. Je mehr er
Worte und Sätze verstehen kann, desto mehr Durchblick gewinnt er über die
Gewalt und die Herrschaftsstruktur seines Königs. Seine Welt gerät ins Wanken.
Yuri Herreras Buch ist praktisch selbst ein solcher
Narcocorrido, eine Heldenballade. Er nimmt die Poesie, um das erbarmungslose
Leben zu beschreiben anstatt der reißerischen Achterbahnfahrt eines Thrillers.
Damit präsentiert der Autor einen kunstvollen und feinsinnigen Roman, ein Werk
das sich hervorhebt.
Yuri Herrera, 1970 in Actopán / Mexiko geboren,
studierte in Mexiko, El Paso, und in Berkeley. Er ist Herausgeber der
Zeitschrift El Perro (Der Hund). Für seinen ersten Roman Abgesang des Königs wurde er 2003 mit dem mexikanisch-amerikanischen
Preis Border of Words und 2009 mit dem Preis Otras Voces, Otros Ámbitos
ausgezeichnet. Sein zweiter Roman Señales
que precederán al fin del mundo ist in Vorbereitung.
(JK 04/11)

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