Auf seine unnachahmlich geschickte und magische
Weise erzählt Philip Pullman in seinem bei Fischer erschienenen Roman Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus die Geschichte
aller Geschichten: Die Zwillinge Jesus und Christus sind so unterschiedlich,
wie nur Geschwister sein können. Jesus ist ein verträumter Visionär und
Christus ein gerissenes Organisationstalent, der die Ideen seines Bruders
umsetzt und so den Grundstein für das korrupte System Kirche legt. Es entsteht
eine provokante Auslegung des Evangeliums.
Pullman ist, da sind Gläubige und Atheisten sich
einig, ein meisterhafter Erzähler, der im knappen und bildreichen Stil des
Evangeliums polemisch und nachdenklich neue Sichtweisen formuliert. Teils
Roman, teils Geschichte, teils Märchen, bietet Der gute Herr Jesus und der
Schurke Christus eine radikal neue Interpretation der Mythen und Mysterien
des Evangeliums und der Entstehung der Kirche, die den Verlauf der zwei letzten
Jahrtausende geprägt hat.
Philip Pullman erzählt in kurzen Kapiteln das
Evangelium auf seine ganz eigene Art und Weise. Er schafft es ohne viel Worte
aber mit umso mehr Bildern die Geschichten aus der Bibel neu darzustellen,
Dadurch dass er Worte gezielt und nicht inflationär einsetzt, lässt er dem
Leser viel Freiraum sich seine Gedanken zu dem Erzählten zu machen und zu
interpretieren, was Philip Pullman mitteilen möchte. Sein Buch ist eine
Abrechnung mit der fragwürdigen Institution Kirche und ein Plädoyer für den
Glauben.
Philip Pullman wurde 1946 in Norwich, England
geboren. Er war Lehrer am Westminster College, bevor er Schriftsteller wurde.
Pullman wurde für seine Fantasyerzählungen, Romanreihen und Theaterstücke mit
zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, so z.B. mit der Carnegie
Medal, und als erster Kinderbuchautor überhaupt mit The Whitbread Book of the
Year Award. Weltberühmt wurde er durch seine Fantasy-Trilogie His Dark Materials. Der erste Band Der goldene Kompass wurde mit Nicole Kidman verfilmt.
Der gute Herr Jesus
und der Schurke Christus von Philip
Pullman ist bei Fischer erschienen.
(JK 05/11)

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