Richard Harvell: Der Kastrat (Dumont)

In die Musikwelt des 18. Jahrhunderts führt uns der Debütroman des Amerikaners Richard Harvell in seinem Buch Der Kastrat, das bei Dumont erschienen ist.

Hoch in den Alpen erblickt Moses Froben am Anfang des 18. Jahrhunderts als uneheliches Kind das Licht der Welt. Der Dorfpfarrer muss fürchten, als Vater entlarvt zu werden, und stößt den Jungen in einen Sturzbach. Moses wird gerettet und kommt in die Abtei St. Gallen, wo er zum Meistersänger des Chores heranreift. Dann geschieht das Ungeheuerliche: Man kastriert ihn, damit seine Engelsstimme erhalten bleibt. Und Moses feiert Erfolge auf Europas Bühnen. Aber ein Geheimnis bleibt: Wie kam der weltbekannte Kastrat zu einem Sohn?
Der Autor selbst hat sein Buch in die Richtung des Meisterwerks von Patrick Süskind Das Parfum lanciert. Was dort mit den Düften geschah, wollte er jetzt mit den Tönen gleich tun. Damit hat er die Hürde für sein erstes Buch unnötig hoch gelegt und fast schon nahezu zwangsläufig kann er diese Behauptung nicht halten. Dem Buch muss man dennoch zu Gute halten, dass Richard Harvell es schafft, bildgewaltig zu schreiben. Seinen Charakteren kann er in „Fleisch und Blut“ darstellen. Der Held Moses Froben ist keine harmlose Figur. Er ist ein Dieb, Entführer, leidenschaftlicher Liebhaber und gieriger Sammler von Klängen. Das Buch ist denn auch die Lebensbeichte dieser Person, wie er zu dem werden konnte, was er war.
Richard Harvell, geboren in New Hampshire, studierte Englische Literatur am Dartmouth College. Heute lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in Basel. Der Kastrat ist sein erster Roman.

Der Kastrat  von Richard Harvell ist bei Dumont erschienen.

(JK 05/11)

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