Simon Lelic: Ein toter Lehrer (Droemer)

Das in den vergangenen Jahren immer öfter in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückte Phänomen von Amokläufen an Schulen, ist Thema im Roman Ein toter Lehrer des englischen Autors Simon Lelic, der bei Droemer erschienen ist.

Schulversammlung in der drückenden Hitze eines Londoner Sommers. Der Geschichtslehrer betritt die Aula – und eröffnet das Feuer: Drei Schüler und eine Lehrerin sterben, dann richtet er sich selbst. Auf Druck von oben soll die junge Ermittlerin Lucia May den Fall schnellstmöglich abschließen, doch sie bohrt tiefer – und bringt damit Unvorstellbares ans Licht.

Simon Lelic beschreibt sehr differenziert, wie es zu dieser Extremhandlung kommen konnte. Alle Beteiligten werden beleuchtet und nach und nach entsteht ein Gesamtbild. Der Leser kommt schnell ins Wanken je mehr er über die Begleitumstände und Hintergründe erfährt. Rasch verlegt sich die Sichtweise auf ein weiteres Phänomen, das gnadenlose Mobbing. Ein kluger Schachzug des Autors ist hier, nicht nur die Situation des Lehrers und der Schule an sich anzuzeigen, sondern die Ermittlerin selber ist Opfer sexistisch motivierten Mobbings, was den Blickwinkel plötzlich erweitert und Mobbing als ein generelles Problem der Gesellschaft offenbart. Es ist die Intoleranz gepaart mit einem sadistischen Willen, den Menschen zu schaden, die nicht dem gängigen Erscheinungsbild entsprechen, was der Autor anprangert. Dazu stellt sich die Fassungslosigkeit über eine schweigende Meute ein, die das infame Tun insgeheim genießt. Der Leser fragt sich zwangsläufig, wie es im eigenen Umfeld aussieht. Gerade die differenzierte Darstellung der Situationen und der beteiligten Menschen sind die Stärken dieses Buches und verdeutlichen, wie komplex das Umfeld des Mobbings ist und was daraus entstehen kann.

Simon Lelic wurde 1976 in Brighton geboren und lebt heute mit seiner Familie wieder dort. Er hat als Journalist gearbeitet, eine Firma gegründet und schreibt bereits an seinem dritten Buch. Sein Debüt Ein toter Lehrer  begeisterte Publikum und Presse, die ihm unisono bescheinigten, einen der packendsten, ungewöhnlichsten Romane der Saison verfasst zu haben.

Ein toter Lehrer  von Simon Lelic ist bei Droemer erschienen.
(JK 05/11)

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