In ihrem jüngst im Insel Verlag erschienenen Buch Die Capitana lässt die argentinische
Schriftstellerin Elsa Osorio, Autorin des Bestsellers Mein Name ist Luz, diese außergewöhnliche Frau noch einmal
auferstehen. Es ist ein hellwach erzählter, aufwühlender Roman über die Lebens-
und Liebesgeschichte einer Frau in Zeiten von Krieg und Revolution.
Im Sommer 1936 vibriert Madrid vor revolutionärer
Glückserwartung; zugleich herrscht Angst vor dem, was der Putsch der rechten
Militärs dem Land bringen wird. Die Straßen sind voller junger Menschen auf der
Suche nach Waffen für den bevorstehenden Bürgerkrieg. Gemeinsam mit ihrem Mann
Hipólito hat sich die argentinische Kommunistin Mika Etchebéhère dem
bewaffneten Widerstand angeschlossen, um gegen Francos Truppen für eine
gerechtere Welt zu kämpfen – so ungleich die Mittel auch sind. Ihre politische
Überzeugtheit und ihre Liebe zu ihrem von Krankheit gezeichneten Mann haben
Mika unversehens in den Krieg geführt. Als ein Schicksalsschlag ihren
Lebenswillen zu erschüttern droht, sind es wieder die Ereignisse, die ihr die
persönliche Trauer zu überwinden helfen, und Mika wird mit ihrer starken
Ausstrahlung und ihrer Fähigkeit, Menschen zu begeistern, für die schlecht
ausgerüsteten Milizen unentbehrlich. Sie ernennen sie zur Capitana, der
einzigen Frau, die im Spanischen Bürgerkrieg eine Kolonne führt. Und während
sie mit den unter ihrem Befehl stehenden jungen Männern und Frauen in den
Schützengräben vor Madrid liegt und kämpft, wird ihnen von den moskauhörigen
Kommunisten unterstellt, Feinde der Republik zu sein – ein weiteres Drama
beginnt.
Die Capitana
ist eine Huldigung an eine Heldin des spanischen Bürgerkriegs, die von
der Geschichte vergessen wurde: weiblich, jüdisch, Argentinierin und
Kommunistin, obwohl nicht sehr dogmatisch und nicht unbedingt linientreu
gegenüber den Prinzipien der kommunistischen Partei. Sie war eine Freundin von
Julio Cortázar und Andre Breton, studierte Zahnmedizin an der Universität von
Buenos Aires und Kunst an der Sorbonne in Paris, ein intellektuelles Gepäck,
das ihr ideologisches Engagement bestimmte. Ihre Überzeugungen brachten sie
dazu, der Kommunistischen Partei mit ihrem Mann beizutreten. Ein paar Jahre
später werden beide wieder von der Partei ausgeschlossen. Zwanzig Jahre nach
ihrem Tod im französischen Exil verbindet Elsa Osorio geschickt Fiktion und
Realiät, um dem Charisma dieser bemerkenswerten Frau in ihrem spannenden Buch
nachzuspüren.
Elsa Osorio wurde 1952 in Buenos Aires geboren und
lebt seit 1994 vorwiegend in Madrid, wo sie als Journalistin, Dozentin und
Drehbuchautorin für Film und Fernsehen arbeitet. Neben zahlreichen anderen
Preisen wurde sie 1982 mit dem argentinischen Premio Nacional de Literatura für
ihr Buch Ritos privados
ausgezeichnet. Für Reina Mugra
erhielt sie 1990 den Premio Sociedad Argentina de Escritores und 1992 für ihre
Komödie Ya no hay hombres den Preis
für das beste Drehbuch. Für ihr Buch Mein
Name ist Luz, in dem mit dem Thema
der Kinder von „Verschwundenen“ ein besonders düsteres Kapitel der
südamerikanischen Militärdiktaturen aufgreift, bekam Elsa Osorio 2001 den
Literaturpreis von Amnesty International, der aus Anlass des 40jährigen
Bestehens der Menschenrechtsorganisation erstmals verliehen wurde.
Die Capitana von Elsa
Osorio ist im Insel Verlag erschienen.
(JK 03/12)

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