Chinua Achebe: Alles zerfällt (S. Fischer)

Chinua Achebes Buch Alles zerfällt gilt als der Afrika-Roman, der die moderne afrikanische Literatur begründete und die Weltliteratur prägte. In seinem Meisterwerk beschreibt Achebe den Konflikt einer archaischen Kultur in einer Sprache, die rituell-sprichwörtlich, dokumentarisch und wunderbar poetisch ist: Mit diesem Roman erhielt der Kontinent eine Stimme. Bei S. Fischer erschien der Roman nun endlich in neuer Übersetzung!

Chinua Achebe erzählt von Verrat und Rache, von Leidenschaften, die keine Ruhe finden, und von Sehnsüchten, die keine Zukunft haben. Chinua Achebes Roman beschäftigt sich mit den Ereignissen in der Zeit des Beginns der Entkolonialisierung in Afrika durch Großbritannien, Frankreich und Belgien, die ein katastrophales Kapitel in der Geschichte Afrikas darstellt, in dem die Strukturen sprichwörtlich zerfallen und auseinanderbrechen.

Achebe erzählt die Geschichte von Okonkwo, einem stolzen und hoch angesehenen Igbo aus Umuofia, irgendwo in der Nähe des unteren Niger. Okonkwos Sippe sind Landwirte, ihre komplexe Gesellschaft ist eine patriarchalische und dennoch demokratische. Achebe führt an, dass sich das Dorfleben im afrikanischen Hinterland seit Generationen nicht wesentlich verändert hat. Doch dann kommen die Engländer in ihre Region, und zwar mit der Bibel, eine viel mächtigere Waffe der Unterdrückung als die Pistole. Als sie beginnen, die Dorfbewohner zum Christentum zu bekehren, lösen sich die Bande, die das Gleichgewicht des Clans sichergestellt hat. Okonkwos Freund Obierika stellt fest: „Der weiße Mann ist sehr clever. Er kam leise und friedlich mit seiner Religion. Wir in unserer Torheit waren amüsiert und erlaubten ihm zu bleiben. Jetzt da er unsere Brüder für sich gewonnen hat, hat unser Clan aufgehört wie einer zu handeln..." Okonkwo, stark und jähzornig, stößt sich gleichzeitig an den strengen Stammesregeln und zerbricht an dem Regime der britischen Kolonialherren. Unwillig, sich anzupassen, findet sich Okonkwo in einer modernen griechischen Tragödie wieder.

Chinua Achebe wurde 1930 in Ogidi im Osten Nigerias als Sohn eines Katechisten aus dem Stamm der Igbo geboren. Er studierte am University College von Ibadan und lehrt seitdem als Professor an nigerianischen, englischen und amerikanischen Universitäten. 1958 erschien sein erster Roman Things Fall Apart, heute das meistgelesene Buch eines afrikanischen Autors. 2002 wurde Achebe für sein politisches Engagement mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, 2007 erhielt er den Man Booker International Prize.

Alles zerfällt von Chinua Achebe ist bei S. Fischer erschienen.
(JK 07/12)

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