Helmut Krausser: Nicht ganz schlechte Menschen (Dumont)

Helmut Kraussers neuer Roman Nicht ganz schlechte Menschen, der bei Dumont erschienen ist, verflicht meisterhaft die Erschütterungen der 1930er-Jahre mit den turbulenten Lebensläufen dreier Menschen.

1915 kommt ein Zwillingspaar zur Welt, das gegensätzlicher nicht sein könnte: Max und Karl sind zeit ihres Lebens Kontrahenten und bleiben doch eng verbunden. Als es ihnen im Deutschland der dreißiger Jahre zu eng wird, fliehen sie mit der Prostituierten Ellie nach Frankreich. Als Illegale suchen sie in Paris ihr Glück – und finden das Leben. Zwischen liebeshungrigen Hoteliers und Schach spielenden Buchhändlern, zwischen Mordanschlägen und Affären geraten die drei in einen rasenden Reigen, der sie schwindelig werden lässt. Dass Karl aufbricht, um im Spanischen Bürgerkrieg für eine bessere Welt zu kämpfen, macht die Lage nicht einfacher.

Kraussers Roman ist sehr unterhaltsam und amüsant. Eine Reihe historischer Figuren wie Thomas Mann oder Gottfried Benn tauchen auf. Das verleitet den Autor allerdings auch, nicht wirklich in die Tiefe zu gehen. So erlebt man ein opulentes Breitwandspektrum der Zeit zwischen den Weltkriegen quasi eine Huldigung des Autors an diese Epoche. Wirklich Neues erfährt man dann nicht. Unter diesem Aspekt sollte man den Roman als gelungene Unterhaltung begreifen und nichts weiter wittern wollen.

Helmut Krausser, geboren 1964, lebt in Berlin. Seine Romane Der große Bagarozy und Fette Welt  wurden fürs Kino verfilmt.

Nicht ganz schlechte Menschen von Helmut Krausser ist bei Dumont erschienen.
(JK 12/12)

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