João Paulo Cuenca: Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall (A1 Verlag)

Der Roman Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall  des brasilianischen Autors João Paulo Cuenca, erschienen im A1 Verlag, ist sein dritter Roman. Es ist eine moderne Liebesgeschichte, in der Cuenca mit wechselnden Erzählern meisterhafte futuristische Szenerien entstehen lässt: Lebendige Figuren im zersplitterten Leben einer Megalopolis, in der allgegenwärtiger Voyeurismus und menschliche Perversion zu Gegenspielern jeglichen Gefühls werden.

Shunsuke, junger Angestellter einer untergehenden multinationalen Firma in Tokio, hat zahlreiche belanglose Affären, bis er sich in einem Nachtclub Hals über Kopf in die polnisch-rumänische Kellnerin Iulana verliebt. Doch für Iulana ist alles nur ein Spiel, denn sie ist entflammt für die schöne Tänzerin Kazumi.

Sie alle werden von einem alten Dichter beobachtet, der jeden ihrer Schritte durch heimliche Aufnahmen überwacht: Es ist Shunsukes eigener Vater Atsuo Okuda. Mit seinem privaten Spionagenetz, U-Boot genannt, scheint es Herr Okuda besonders auf das Glück seines Sohnes abgesehen zu haben, während er seiner neuen Gefährtin Yoshiko, einer ultrarealistischen, nach seinen genauen Anweisungen gefertigten, sprechenden Gummipuppe Gedichte vorliest. Sein perfider Kontrollwahn steigert sich zu einem plötzlichen und äußerst gefährlichen Interesse für Iulana. Shunsuke sieht seine Hoffnung auf Liebe durch die dunklen Schatten seines Vaters bedroht. Doch wen sollen Atsuos teuflische Obsessionen tatsächlich treffen?

Das Format des Romans aufgeteilt in Mikrokapitel ist sehr eigenwillig. Es ist jedoch eine hervorragende Geschichte und im Stil ultramodern. Cuenca präsentiert sich hoch talentiert. Er weiß, wie man mit einem guten Stoff umgehen kann. Er benutzt geschickt Wiederholungen, kreiert immer verrücktere Momente, streut Gedichte ein, variiert die Erzählung. Geschickt baut er die zentrale Figur Shunsukes, dazu seine Liebe zu Iulana, sein Interesse an seinem Vater, dem ewigen Rivalen bis hin zur Puppe Yoshiko. Dieser Roman bietet sehr gute Gelegenheit in das Universum der jungen Autorengeneration Brasiliens einzutauchen.

João Paulo Cuenca wurde 1978 in Rio de Janeiro geboren und veröffentlichte 2003 sein erstes Buch Corpo Presente. 2007 erschien sein zweiter, sehr erfolgreicher Roman O Dia Mastroianni, 2011 schrieb er das Theaterstück Terror. Das renommierte Literaturmagazin Granta wählte ihn im Juli 2012 auf die Liste der 20 besten jungen brasilianischen Autoren. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er bis 2010 als Journalist und Kolumnist für verschiedene brasilianische Medien, unter anderem für das Magazin der Tageszeitung O Globo. Einer seiner längeren Auslandsaufenthalte führte ihn u.a. nach Tokio. João Paulo Cuenca lebt in Rio de Janeiro.

Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall  von João Paulo Cuenca ist im A1 Verlag erschienen.
(JK 11/12)

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