Books@Transglobal ist die Literatursendung im Rahmen von Radio Transglobal beim Hamburger Stadtsender TIDE 96.0. Hier können Veranstaltungshinweise sowie die einzelnen Buchbesprechungen nachgelesen werden, die bei Radio Transglobal gesendet bzw. von der Redaktion bearbeitet wurden. Books@Transglobal sendet an jedem vierten Montag des Monats um 18 Uhr ein ausschließlich der Literatur gewidmetes Programm.
James McBride: Der heilige King Kong (btb)
Franzobel: Die Eroberung Amerikas (Zsolnay)
Martin Mosebach: Krass (Rowohlt)
Simon Urban: Wie alles begann und wer dabei umkam (Kiepenheuer & Witsch)
Karin Smirnoff: Mein Bruder (Hanser Berlin)
Alaa al-Aswani: Die Republik der Träumer (Hanser)
Durian Sukegawa: Die Katzen von Shinjoku (DuMont)
Benedict Wells: Hard Land (Diogenes)
Henrik Siebold: Inspektor Takeda und die stille Schuld (Aufbau Taschenbuch)
John Boyne: Maurice Swift, die Geschichte eines Lügners (Piper)
Benjamin Lebert: Crazy (Aufbau Taschenbuch)
Philipp Kerr: Trojanische Pferde (Wunderlich)
Hanya Yanagihara: Das Volk der Bäume (Piper)
John Niven: Die F*ck-it-Liste (Heyne)
Roberto Saviano: Die Lebenshungrigen (dtv)
Marcial Gala: Die Kathedrale der Schwarzen (Nagel & Kimche)
Ausgerechnet in Punta
Gotica, einem Viertel Cienfuegos, in dem nur vergessene Schwarze und arme Weiße
wohnen, wird eine neue Kirche errichtet. Das Gotteshaus soll ein Symbol sein,
über die Stadt und Kuba hinaus, etwas Aufstrebendes in Zeiten, in denen alles
verfällt. Geld und freiwillige Mitarbeiter fließen den Erbauern nur so zu,
beständig wird die Kirche erweitert – und gerade deshalb nie fertiggestellt.
Marcial Gala lässt die
Menschen zu Wort kommen, die im Schatten des von Tag zu Tag wachsenden
Monumentalbaus leben, er zeigt uns Kuba von unten und ein Land, das der
US-Luxuskapitalismus vor eine Zerreißprobe stellt – existenziell, roh und mit
vielen Zwischentönen. Prall und roh und ungeschönt ist das Bild, das er
zeichnet, nichts für zarte Nerven. Die Zeichnung der Figuren im Buch ist
extrem. Doch erfüllt Gala damit genau den Zweck, die Monstrosität der
deprimierenden sozialen Situation zu verbildlichen. Dadurch erhält die
Geschichte Authentizität. Es ist nicht das Kuba von puderweißen Stränden,
karibischem Türkis oder romantisierender Revolution und Fidels
Gesellschaftsordnung.
Marcial Gala, 1965 in
Havana geboren, ist Autor und Architekt. 1999 wurden seine Kurzgeschichten mit
dem Pinos Nuevos Award ausgezeichnet, sein Roman Die Kathedrale der
Schwarzen mit dem Alejo Carpentier Award 2012 und dem Critics‘ Award für
das beste kubanische Buch 2012. Gala lebt in Buenos Aires (Argentinien) und
Cienfuegos.
Arno Strobel: Die App (Fischer Taschenbuch)
Du hast die App auf
deinem Handy. Sie macht dein Zuhause sicherer. Doch nicht nur die App weiß, wo
du wohnst.
Es klingt fast zu gut, um
wahr zu sein. Hamburg-Winterhude, ein Haus mit Smart Home, alles ganz einfach
per App steuerbar, jederzeit, von überall. Und dazu absolut sicher. Hendrik und
Linda sind begeistert, als sie einziehen. So haben sie sich ihr gemeinsames
Zuhause immer vorgestellt. Aber dann verschwindet Linda eines Nachts. Es gibt
keine Nachricht, keinen Hinweis, nicht die geringste Spur. Die Polizei ist
ratlos, Hendrik kurz vor dem Durchdrehen. Konnte sich in jener Nacht jemand
Zutritt zum Haus verschaffen? Und wenn ja, warum hat die App nicht sofort den
Alarm ausgelöst? Hendrik fühlt sich mehr und mehr beobachtet. Zu recht, denn
nicht nur die App weiß, wo er wohnt…
Das Thema berührt uns
alle. Immer mehr wird automatisiert und digitalisiert und auch vor unserem
Zuhause macht diese Entwicklung nicht halt. Man gibt die Kontrolle aus der Hand
in der Überzeugung, es kann nicht schieflaufen. Das ist die Urangst, mit der
Arno Strobel spielt und die verfängt. Er legt Fährten, die ins Leere laufen und
hält die Spannung hoch. Mehr sei hier nicht verraten.
Arno Strobel liebt
Grenzerfahrungen und teilt sie gern mit seinen Lesern. Deshalb sind seine
Thriller wie spannende Entdeckungsreisen zu den dunklen Winkeln der
menschlichen Seele und machen auch vor den größten Urängsten nicht Halt. Seine
Themen spürt er dabei meist im Alltag auf und erst, wenn ihn eine Idee nicht
mehr loslässt und er den Hintergründen sofort mit Hilfe seines Netzwerks aus
Experten auf den Grund gehen will, weiß er, dass der Grundstein für seinen
nächsten Roman gelegt ist. Alle seine bisherigen Thriller waren Bestseller.
Arno Strobel lebt als freier Autor in der Nähe von Trier.
Martin Maurer: Die Krieger (DuMont)
Das Jahr 1984 hat gerade
begonnen, die Proteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen hören
nicht auf, im Radio läuft Joy Division. Nick Marzek, 43, gebürtiger Berliner,
ist seit Kurzem Kriminalkommissar bei der Münchner Polizei. Nach dem Tod seiner
Frau versucht er sich im Reich von Franz Josef Strauß und dessen CSU ein neues
Leben aufzubauen. Mit bescheidenem Erfolg. Da ereignet sich ein verheerender
Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool im Bahnhofsviertel. Es gibt
zahlreiche Verletzte, und der Druck auf die ermittelnden Beamten ist groß.
Alles deutet auf Revierkämpfe im Rotlichtmilieu hin. Doch der Fall nimmt eine
unerwartete Wendung: Von der italienischen Polizei wird den Ermittlern ein
Bekennerschreiben zugeschickt, und Nick bleibt nichts anderes übrig, als dem
Hinweis nachzugehen. Er muss nach Italien. Hilfe bekommt er dabei von Graziella
Altieri, die bei der Mordkommission eigentlich als Reinigungskraft arbeitet,
nun aber als Übersetzerin einspringt. Nick und Graziella beginnen in Mailand
mit ihren Nachforschungen – und müssen erkennen, dass der Fall eine politische
Dimension hat…
Martin Maurer hat einen
packenden Thriller geschrieben mit einer komplexen Geschichte. Dabei nimmt er
die wahre Begebenheit um den Brandanschlag auf die Münchner Disko und die Gruppe
Ludwig als Grundlage. Erstaunlich, dass von dieser grauenhaften Tat so wenig im
kollektiven Gedächtnis geblieben ist. Das Buch entwickelt sich im Verlauf zu
einem Politthriller und man erahnt, dass das Thema auch heute noch hoch aktuell
ist. Dies erhöht die Dramatik ungemein. Bleibt zu hoffen, dass Martin Maurer
seinen Helden Nick Marzek mit weiteren Fällen literarisch am Leben hält.
Martin Maurer wurde 1968 in Konstanz
am Bodensee geboren. Er studierte Dramaturgie und Drehbuch an der Hochschule
für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und arbeitet als Drehbuchautor. 2011
erschien sein Thriller Terror. Er lebt in Berlin und Italien.
T.C. Boyle: Das Licht (dtv)
Endlich wird der
aufstrebende wissenschaftliche Assistent Fitz in Harvard auf eine der
LSD-Partys seines Professors Leary eingeladen. Doch bald merkt er, dass Learys
Ziele weniger medizinischer Natur sind: Es geht ihm um eine Revolution des
Bewusstseins und eine von sozialen Zwängen befreite Lebensform. Fitz wird
mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn zieht er in eine Kommune. Er
experimentiert mit Rauschmitteln und sexuellen Ausschweifungen jeglicher Art.
Doch ist LSD wirklich mehr als eine Droge?
T.C. Boyle beschreibt den
Ideengeber der späteren Hippiebewegung und kommt damit auf eine seiner
Kernaussagen seines Schaffens zurück. Die richtigen Ideale zu haben, falsch
umzusetzen und letztendlich zu scheitern. Das setzt T.C. Boyle meisterlich um.
T.
Coraghessan Boyle, geboren 1948 in Peekskill, New York, unterrichtet an der
University of Southern California in Los Angeles. Für seinen Roman World's End erhielt er 1988 den
PEN/Faulkner-Preis. Als Enfant terrible der amerikanischen Gegenwartskultur
wurde T. C. Boyle zum Pop- und Literaturstar seiner Generation.
Alex Lépic: Lacroix und die Toten vom Pont Neuf (Droemer)
Wer hat es auf die
Pariser Clochards abgesehen? In drei aufeinanderfolgenden Nächten werden am
Ufer der Seine Stadtstreicher ermordet, die Leichen findet man jeweils unter
einer Brücke. Obwohl Kommissar Lacroix und seine Kollegen nach dem ersten Mord
rund um die Uhr Wache an den Ufern der Seine halten, können sie weder die
weiteren Taten verhindern noch Zeugen finden. Die Presse stürzt sich auf den
Fall – und auf Kommissar Lacroix: Seit ein junger Kollege eine scherzhafte
Bemerkung über seinen altmodischen Hut und Mantel gemacht hat, hängt dem
Kommissar ein berühmter Spitzname an: „der neue Maigret“. So viel
Aufmerksamkeit ist Lacroix gar nicht recht, schließlich gilt es, einen Mörder
zu fassen, der womöglich vor 30 Jahren schon einmal Clochards in Paris ermordet
hat.
Kommissar Lacroix ist ein
wunderbar nostalgischer Ermittler mit einer Abneigung gegen Handys und einer
Vorliebe für gutes Essen und noch besseren Wein. Mit augenzwinkerndem Charme
verbeugt sich Krimi-Autor Alex Lépic vor seinem großen Vorbild, George Simenons
berühmtem Kommissar Maigret.
Mit der Figur Lacrois
reiht sich Alex Lépic in die Reihe deutschstämmiger Autoren ein, die ihren
Krimihelden in Frankreich leben lassen. Die Atmosphäre von Savoir Vivre, die
französische Art, das Leben etwas leichter zu nehmen, vor allen Dingen die
gastronomischen Künste zu feiern, das romantisierende Image Frankreichs und
Paris, der Stadt der Liebe. Das alles wird wunderbar bedient, das wollen die
Leser von Frankreich-Krimis spüren und erleben. In diesem Sinne tadellos
erfüllt, sehr unterhaltsam und gut geschrieben.
Alex Lépic, alias
Alexander Oetker geboren 1980 in Paris, ist in Deutschland aufgewachsen, setzt
sich aber so oft wie nur möglich in den Zug, um in sein heiß geliebtes Paris
zurückzukehren, wo er ein kleines Mansardenzimmer bewohnt, leider nicht im
feinen siebten Arrondissement und auch nicht mit Blick auf den Pont Neuf. Lacroix
und die Toten vom Pont Neuf ist sein Debüt – und wurde vor allem auf den
Terrassen der Pariser Bistros geschrieben, wo zur Zeit auch schon der zweite
Fall für Kommissar Lacroix entsteht.




